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Drug Safety Mail: Rhabdomyolyse nach Interaktion zwischen Simvastatin mit Amiodaron

In einer aktuellen Drug Safety Mail der AkdÄ vom Februar 2017 wird noch einmal vor einer klinisch relevanten Interaktion zwischen Amiodaron (200 mg/d) und Simvastatin (40 mg/d) gewarnt [1]. Die Patientin im angesprochenen Fallbericht entwickelte unter dieser Medikation eine Rhabdomyolyse und musste daraufhin 10 Tage stationär behandelt werden. Die Therapie wurde abgebrochen.

Ein Blick in die SCHOLZ Datenbank hätte die Interaktion wahrscheinlich verhindern können. Der Nutzer hätte hier nach Erkennen der Interaktion mit Hilfe des MDDI Calculators eine Dosisanpassung von Simvastatin vornehmen oder mit Hilfe des Optimierungssystems ein risikoärmeres, äquipotentes Statin auswählen können.

In der SCHOLZ Datenbank erscheint im Risikoanalyse-Bildschirm bei dieser Kombination eine rote Wechselwirkungsampel  (Relevanz gefährlich; Häufigkeit: sehr häufig) mit dem Hinweis, dass diese rote Ampel ab einer Tagesdosis von >20 mg gilt. Außerdem wird neben dem Simvastatin im Medikationsfenster ein orangefarbener DI-Button (DI = Drug Interaction) sichtbar, der auf die kinetische Interaktion hinweist (Abbildung oberer Teil).

Beim Blick ins Optimierungssystem wird auch sofort die Dosisabhängigkeit dieser Wechselwirkung anhand der Ampelfarbe deutlich (Abbildung mittlerer Teil) [2,3]. Hier hätte man nun auch die Möglichkeit ein risikoärmeres Statin mit gleicher Wirkstärke auszuwählen wie z.B. Rosuvastatin oder Pitavastatin. Fluvastatin und Pravastatin sind zwar in diesem Fall auch risikoärmer, allerdings erreicht man mit den im Handel befindlichen Stärken nicht die gleiche LDL-Senkung wie 40 mg/d Simvastatin [4].

Ein Blick in das MDDI-Protokoll der SCHOLZ Datenbank (Abbildung unten) zeigt außerdem, dass die Inhibition des Enzyms CYP3A4 durch Amiodaron die Ursache dieser Interaktion ist, was durchaus als bekannt vorausgesetzt werden kann. Darüber hinaus ist hier aber die Vorhersage des geschätzten Plasmaspiegelanstiegs auf 183 % interessant. Dies bedeutet, dass die Patientin durch die CYP3A4-Inhibition mit der Dosierung von 40mg/d wahrscheinlich einen ähnlichen Plasmaspiegel aufweist wie bei einer Gabe von 80mg/d Simvastatin. Die Gabe der 80 mg Simvastatin-Dosierung wird in Fachkreisen generell kritisch diskutiert [4]. Außerdem ist die Patientin in einem Alter, in dem das Risiko für eine Rhabdomyolyse ohnehin erhöht ist. Demnach hätte hier die Simvastatin-Dosis mit Beginn der Amiodaron-Gabe entsprechend des MDDI Protokolls um ca. 50% gesenkt werden müssen, oder – wie bereits oben diskutiert – das Statin durch ein risikoärmeres ersetzt werden müssen.

Mehr Informationen zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

Quellen

[1] Drug Safety Mail 2017-06 http://akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2017-06.html

[2] FI Zocor, Juni 2015

[3] https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm283137.htm

[4] https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm256581.htm

SCHOLZ Datenbank Optimierungssystem bei Kontraindikationen

Im letzten Beitrag wurde das ATC-Code basierte Optimierungssystem der SCHOLZ Datenbank für die Optimierung einer Medikation bei Allergien vorgestellt. Neben der Risikominimierung bei Wechselwirkungen und Allergien kann das Optimierungssystem auch zur Risikominimierung bei Kontraindikationen benutzt werden.

Hat man z.B. einen Parkinson-Patienten, der das Neuroleptikum Haloperidol zur Behandlung von Halluzinationen bekommen soll, wird die Ampel für Kontraindikationen rot aufleuchten. Schaut man nun in das Optimierungssystem findet man in der Gruppe der Neuroleptika mehrere Arzneimittel, die hinsichtlich der Grunderkrankung des Patienten risikoärmer sind wie z.B. Clozapin.

Aber Vorsicht:

Halluzinationen können bei manchen Parkinson-Therapeutika auch als Nebenwirkung auftreten. Dies würde man über die Funktion „Symptomatische Nebenwirkungen“ herausfinden!

(Mehr zur Funktion „symptomatische Nebenwirkungen unter: http://news.eprax.de/?p=505, http://news.eprax.de/?m=201602)

Deshalb wäre der erste Schritt zur Therapieoptimierung, die verdächtige Parkinson-Medikation in ihrer Dosis zu reduzieren, um die mögliche Nebenwirkung zu reduzieren. Wenn dies nicht weiterhilft, würde evtl. ein Neuroleptikum zum Einsatz kommen.

Mehr Informationen dieser und anderer Funktionen der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.