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Update zur Interaktion zwischen Clindamycin und Rifampicin

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arzneimitteltherapie (2016;34;84-6) wird über eine potentielle Wechselwirkung zwischen Clindamycin und Rifampicin berichtet, die in wenigen Interaktionsdatenbanken zu finden ist. In der SCHOLZ Datenbank wurde bereits vor dem Artikel auf das Thema hingewiesen. Dank des Artikels konnte die Risikoeinstufung noch optimiert werden.

Das Antibiotikum Rifampicin ist bekanntlich ein starker Induktor diverser Cytochrom P450 Enzyme, unter anderem von CYP3A4. Nicht so bekannt hingegen ist, dass das Antibiotikum Clindamycin über CYP3A4 verstoffwechselt wird. Die beiden Antibiotika werden z.B. bei Knochen- und Weichteilinfektionen kombiniert.

In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Plasmaspiegel von Clindamycin bei gleichzeitiger Rifampicin-Therapie deutlich vermindert waren. Es wurde weiterhin festgestellt, dass sich bei oraler Gabe eine stärkere Verminderung der Plasmaspiegel zeigte als bei intravenöser Gabe. Bei oraler Applikation von Clindamycin wurden Clindamycin-Konzentrationen unter der minimalen Hemm-Konzentration (MHK) dieses Antibiotikums gemessen.

Der zusammenfassende Bericht in der Zeitschrift Arzneimitteltherapie führte zu einer neuen Einstufung dieser Interaktion in der SCHOLZ Datenbank und zwar mit der Klassifizierung “bedeutsam/wahrscheinlich” bei oral verabreichtem und “bedeutsam/möglich” bei parenteral verabreichtem Clindamycin. Das heißt, dass eine klinisch relevante Minderung (“bedeutsame”)  der Clindamycin-Wirkung durch Rifampicin und seinen Induktionseffekt in Darm und Leber aufgrund der bekannten kinetischen Eigenschaften von Substrat und Induktor und der gemessenen in-vivo-Daten insbesondere bei oraler Gabe zu erwarten ist und dann ein Beitrag zur Wirksamkeit äußerst fraglich ist. Eine Dosiserhöhung bei oralem Clindamycin ist möglicherweise mit einem erhöhten gastrointestinalen Risiko verbunden (pseudomembranöse Colitis), so dass die parenterale Applikation ggf. vorzuziehen ist.

Mehr Information zu dieser Wechselwirkung und anderen Arzneimittelrisiken in der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.