Archiv für den Monat: August 2015

Neu in der SCHOLZ Datenbank: Edoxaban – ein weiterer Vertreter aus der Reihe der NOAKs (neue orale Antikoagulantien)

Edoxaban (Lixiana®) ist ein weiterer Wirkstoff aus der Reihe der neuen oralen Antikoagulantien (NOAKs) und bildet neben Rivaroxaban und Apixaban den dritten Wirkstoff der direkten Faktor Xa-Hemmer. Auch Dabigatran, ein direkter Thrombin-Inhibitor, wird zur Gruppe der NOAKs gezählt. Damit ist Edoxaban der vierte Wirkstoff aus der Gruppe der NOAKs, die sich von den klassischen oralen Antikoagulantien dadurch unterscheiden, dass sie keine Vitamin-K-Antagonisten darstellen.

Unter AMTS-Gesichtspunkten wollen wir in diesem Blog Dosisanpassungen, Interaktionen und Nebenwirkungen betrachten.

Dosisreduktionen sind notwendig, wenn Patienten eine eingeschränkte Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance 15-50ml/min) oder reduziertes Körpergewicht (≤ 60kg) aufweisen.

Pharmakokinetische Interaktionen

Auch bei gleichzeitiger Anwendung starker P-gp-Inhibitoren sollte die Dosis reduziert werden, da Edoxaban – wie die anderen NOAKs auch – ein Substrat des Efflux-Transporters P-Glycoprotein (P-gp) ist. Auch mit P-gp-Induktoren ist Vorsicht geboten.

Pharmakodynamische Interaktionen

Bei gleichzeitiger Gabe von Edoxaban und weiteren Gerinnungshemmern ist das Blutungsrisiko erhöht. Weitere Antikoagulantien dürfen nur in Umstellungsphasen gegeben werden. Ansonsten sind sie bei Edoxaban-Behandlung kontraindiziert. Die Einnahme von ASS in hohen Dosierungen und eine langfristige Anwendung anderer NSAR wird nicht empfohlen. Auch in Kombination mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern ist das Blutungsrisiko erhöht.

Anwendungsbeschränkungen

Bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko aufgrund bestimmter Grunderkrankungen ist ebenfalls besondere Vorsicht geboten. In einigen Fällen wie z.B. bei akuten gastrointestinalen Ulzerationen ist Edoxaban kontraindiziert. Edoxaban sollte mind. 24 Stunden vor operativen Eingriffen abgesetzt werden.


Diese Informationen stellen einen nur einen Teil der risikorelevanten Hinweise dar. Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

Neu in der SCHOLZ Datenbank – Wir stellen das Risikoprofil des neuen Wirkstoffs Naloxegol vor

Naloxegol (Moventig®) ist ein peripher wirksamer μ-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation eingesetzt wird. Naloxegol ist das PEGylierte Derivat des bekannten zentralwirksamen μ-Rezeptor-Antagonisten Naloxon. Naloxegol ist auch ein Substrat des Efflux-Transporters P-Glycoprotein (P-gp). Durch die PEGylierung und den Transport über P-gp soll eine Wirkung von Naloxegol im ZNS verhindert werden. Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) müssen v.a. gastrointestinale Nebenwirkungen und pharmakokinetische Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

 Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Diarrhö und abdominale Schmerzen, die v.a. in höheren Dosierungen auftreten (sehr häufig ≥ 10%). Durch Dosisreduktion kann die Verträglichkeit erhöht werden. Häufig traten auch andere gastrointestinale Beschwerden wie Erbrechen, Übelkeit und Flatulenzen auf. Gelegentlich wurde das Auftreten eines Opioid-Entzugs-Syndroms beobacht, obwohl die ZNS-Gängigkeit von Naloxegol minimal ist.

Pharmakokinetische Interaktionen

Naloxegol wird über das Cytochrom P-450-Enzym CYP3A4 metabolisiert. Starke CYP3A4-Inhibitoren sind kontraindiziert. Bei mittelstarken CYP3A4-Inhibitoren reicht eine Dosisreduktion, um die gastrointestinale Verträglichkeit von Naloxegol zu gewährleisten und die Auslösung eines Opioid-Entzugs-Syndroms zu vermeiden. Auch CYP3A4-Induktoren sollten während einer Therapie mit Naloxegol vermieden werden.

P-gp-Inhibitoren wie z.B. Chinidin führten ebenfalls zu einem leichten Anstieg der Naloxegol-Plasmaspiegel, allerdings wird die ZNS-Penetration von Naloxegol nicht erhöht. Somit sind durch eine P-gp-Inhibition wahrscheinlich nicht vermehrt Nebenwirkungen zu erwarten, wenn nicht gleichzeitig eine moderate bis starke CYP3A4-Inhibition erfolgt. Allerdings hängen P-gp- und CYP3A4-Inhibition in den meisten Fällen zusammen.


Diese Informationen stellen einen Auszug der risikorelevanten Hinweise dar. Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.