Archiv für den Monat: Juli 2015

News: Arzneimittelrisiken (Denosumab, Ibuprofen/Dexibuprofen)

Denosumab – Risiko für Kierfeosteonekrosen

 In einem Rote-Hand-Brief wird vor dem Risiko für das Auftreten von Kiefernekrosen unter Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab (XGEVA® 120 mg Injektionslösung) gewarnt. Denosumab wird angewendet zur Prävention von skelettbezogenen Komplikationen bei Erwachsenen mit Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren und bei Jugendlichen mit Riesenzelltumoren des Knochens.

Bei Patienten mit nicht verheilten Läsionen aus Zahnoperationen oder aus Operationen im Mundbereich ist Denosumab kontraindiziert. Außerdem sollen die Patienten eine Patientenerinnerungskarte mit Informationen zu Kieferosteonekrosen bekommen.


Ibuprofen/Dexibuprofen – Änderung der Produktinformation

Das BfArM setzt nun per Stufenplanbescheid die Vereinbarung vom CMDh (Koordinierungsgruppe für dezentrale Verfahren und Verfahren der gegenseitigen Anerkennung) zur Änderung der Produktinformationen Ibuprofen- und Dexibuprofen-haltiger Arzneimittel um. Zulassungsinhaber müssen die Änderungen bis zum 16.10.2015 bei der zuständigen Bundesoberbehörde anzeigen.

Dabei geht es um eine verstärkte Warnung vor kardiovaskulären Risiken. Es wird einen Warnhinweis geben, dass es möglicherweise ein erhöhtes Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse unter Therapie mit Ibuprofen/Dexibuprofen gibt. Außerdem sollten folgende Empfehlungen sollten beachtet werden:

  1. Patienten mit Erkrankungen, die ein hohes kardiovaskuläres Risiko mit sich bringen, sollten Ibuprofen/Dexibuprofen nur noch nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erhalten. Dosierungen von 2400 mg Ibuprofen pro Tag; bzw. 1200 mg Dexibuprofen pro Tag sollten nicht überschritten werden.
  2. Punkt 1 gilt ebenfalls für die Langzeitbehandlung von Patienten, die grundsätzliche Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse aufweisen.
  3. Kontraindikation bei Herzinsuffizienz der Stufe NYHA IV.
  4. Die gleichzeitige Anwendung von Ibuprofen/Dexibuprofen und ASS zur Thrombozytenaggregationshemmung wird nicht empfohlen.

 

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

[1] http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2015-22.html

[2] http://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/g l/ibuprofen4.html

[3] http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59043#c172370

Neu in der SCHOLZ Datenbank: Nivolumab – ein kurzer Überblick über Interaktionen und Nebenwirkungen

Nivolumab ist im Juli unter dem Handelnamen OPDIVO® in den Handel gekommen. Es ist ein neuer monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms eingesetzt wird. Mittlerweile erhielt Nivolumab auch die Zulassung zur Behandlung von Lungenkrebs.

 Nivolumab wirkt, indem es an den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen bindet und die Bindung der natürlichen Liganden PD-L1 und PD-L2 verhindert. PD-L1 und PD-L2 werden von antigenpräsentierenden Zellen oder Tumorzellen exprimiert und hemmen die T-Zellproliferation. Durch die Verhinderung der Bindung von PD-L1 und PD-L2 an den PD-1-Rezeptor wird letztendlich die T-Zellreaktion einschließlich der Tumorabwehr verstärkt.

Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) muss unter einer Nivolumab-Therapie vor allem das Risiko immunvermittelter schwerer Nebenwirkungen wie z.B. immunvermittelte Pneumonitis, Hepatitis oder Nephrits berücksichtigt werden. Diese müssen sofort – z.B. mit einer systemische Glucocorticoid-Therapie – behandelt werden. Für die Dauer der Therapie wird die Behandlung mit Nivolumab ausgesetzt. Sie kann nach Ausschleichen der Corticoid-Therapie weitergeführt werden. Nur bei sehr starken Ausprägungen dieser immunvermittelten Nebenwirkungen sollte Nivolumab abgesetzt werden.

Bei Kombination von Nivolumab mit Immunsuppressiva oder mit systemischen Glucocorticoiden in immunsuppressiver Dosierung kann die Wirkung von Nivolumab möglicherweise abgeschwächt werden. Das Risiko für eine Wirkungsminderung ist am größten, wenn schon vor der Nivolumab-Therapie eine immunsuppressive Therapie vorgenommen wurde.

 

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Update Wechselwirkungen – Erhöhte Blutungsgefahr durch gleichzeitige Anwendung von Antidepressiva und nichtsteroidalen Antirheumatika

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen bekanntlich die Blutgerinnung, indem sie das Enzym Cyclooxygenase 1 (COX1) inhibieren, welches für die Synthese von Thromboxan A2 essentiell ist. Thromboxan A2 fördert die Thrombozytenaggregation und wirkt vasokonstriktorisch. ASS hemmt die COX1 irreversibel, während die anderen NSAR die Blutgerinnung reversibel hemmen.

Auch Antidepressiva, v.a. selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) oder Serotonin Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren (SNRI), haben Einfluss auf die Blutgerinnung, da Serotonin eine wichtige Rolle in der Hämostase spielt: Über eine Signalkaskade sorgt Serotonin für die Freisetzung des von-Willebrand-Faktors und fördert dadurch die Thrombozytenaggregation. Weiterhin wirkt es vasokonstriktorisch.

Epidemologische Fallkontroll- und Kohortenstudien zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen gastrointestinalen Blutungen und der Anwendung von serotonergen Antidepressiva gibt. Diese Studien zeigen ebenfalls, dass der gleichzeitige Gebrauch von Acetylsalicylsäure oder NSAR den Effekt potenzieren kann.

 Neue Erkenntnisse:

In einer kürzlich im British Medical Journal erschienen retrospektiven Kohortenstudie der koreanischen Arzneimittelbehörde wird über ein um 60% erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen bei Kombination von Antidepressiva mit NSAR innerhalb von 30 Tagen nach der erstmaligen Kombination berichtet [1]. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Klassen der Antidepressiva. Im Gegensatz zu den gastrointestinalen Blutungen, für die schon bei Monotherapie mit NSAR oder einem serotonergen Antidepressivum ein erhöhtes Risiko besteht, gibt es keine Hinweise, dass Antidepressiva oder NSAR in Monotherapie intrakranielle Blutungen auslösen können.

 Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelwechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 [1] http://www.bmj.com/content/351/bmj.h3517

News Arzneimittelrisiken: SGLT-2-Inhibitoren – Risiko einer diabetischen Ketoazidose

Zu den sog. SGLT-2-Inhibitoren gehören die Wirkstoffe Dapagliflozin und Empagliflozin. Diese Wirkstoffe werden zur Blutzuckersenkung bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. Sie wirken, indem Sie den Natrium-Glukose-Cotransporter 2 (SGLT-2) in der Niere hemmen. So wird weniger Glucose in der Niere rückresorbiert und folglich der Blutzuckerspiegel gesenkt.

Nun wurde über schwere, teils lebensbedrohliche Fälle von diabetischer Ketoazidose unter einer Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren berichtet. Kürzlich wurde ein neues Bewertungsverfahren eingeleitet. Verschiedene Hersteller informieren nun aber schon in einem gemeinsamen Informationsbrief über die Risiken. Ungewöhnlich ist, dass die Ketoazidose in einigen Fällen bei nur mäßig erhöhten Blutzuckerwerten [<250mg/dl) auftrat. Dadurch kann die Diagnose erschwert werden. Die Patienten sollten über die Symptome einer metabolischen Azidose (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, starker Durst, Atembeschwerden, Verwirrtheit, Müdigkeit/Schläfrigkeit) aufgeklärt werden.

Ca. die Hälfte der Fälle trat in den ersten zwei Behandlungsmonaten auf und ein Drittel davon im Rahmen des „Off-Label Use“ bei Typ-1-Diabetes.

 

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

 [1] http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2015-20.html

News Arzneimittelrisiken: Codein und Dronedaron

Codein – Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen

Das BfArM setzt nun den Beschluss vom CMDh (Koordinierungsgruppe für dezentrale Verfahren und Verfahren der gegenseitigen Anerkennung) zur Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen Codein-haltiger Arzneimittel um [1,2,3]. Zulassungsinhaber müssen die Änderungen bis zum 20.07.2015 bei der zuständigen Bundesoberbehörde anzeigen.

Zu pharmakologischen Hintergründen lesen Sie den Blog-Beitrag vom 02.12.2014 „Genetischer Polymorphismus: Warum Pharmafirmen Codein-Säfte für Kinder vom Markt nehmen“ (http://news.eprax.de/?p=221).

Dronedaron – Fallberichte über Polyneuropathien

Unter dem Antiarrhythmikum Dronedaron sind Fälle von Polyneuropathie aufgetreten. Das strukturverwandte Amiodaron weist ebenfalls ein neurotoxisches Potential auf. Dronedaron sollte ein günstigeres Sicherheitsprofil als Amiodaron aufweisen, da es im Gegensatz zu Amiodaron kein Jod und zur Reduktion der Lipophilie eine zusätzliche Methansulfonylgruppe enthält. Dies sollte die Halbwertszeit verkürzen und die Neurotoxizität senken. Bisher sind laut AkdÄ acht Einzelfallberichte von Neuropathien unter Dronedaron bekannt [4]. Die Problematik wird weiter beobachtet.

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

[1] Aktuelle Meldung des BfArM zu Codeinhaltigen Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen: http://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/codein3.html?nn=3495918

[2] Rückruf Codein UCB 13.11.2014:

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2014/info-codein.html

[3] http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55095

[4] http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/20150619.html

Zwei neue Wirkstoffe im Bereich der Onkologie: Teil 2 – pharmakodynamische Interaktionen von Ceritinib

Im letzten Blog wurde bereits über Indikation und Wirkmechanismus von Ceritinib informiert, sowie die Wechselwirkungen des zweiten neuen onkologischen Wirkstoffes Lenvatinib beschrieben. Ceritinib weist im Vergleich zu Lenvatinib ein sehr viel höheres Wechselwirkungspotential auf. In diesem Blog wollen wir zunächst die pharmakodynamischen Interaktionen von Ceritinib betrachten. Diese können z.B. das Herz und den Blutzucker betreffen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Ceritinib mit anderen bradykard-wirkenden Arzneimitteln wie z.B. Betablockern, kann es zu einer Verstärkung der bradykarden Wirkung kommen.

Weiterhin wurde unter Ceritinib eine QT-Zeit-Verlängerung beobachtet. Dies ist besonders kritisch bei Patienten, die Risikofaktoren für eine QT-Zeit-Verlängerung aufweisen und die weitere Arzneimittel einnehmen, welche ebenfalls das QT-Intervall verlängern können, besonders vorsichtig sein.

Ceritinib kann auch Hyperglykämien verursachen. Somit kann die Wirkung von Antidiabetika abgeschwächt werden. Besonders hoch ist das Hyperglykämie-Risiko in Verbindung mit einer Steroid-Therapie.

Zwei neue Wirkstoffe im Bereich der Onkologie

Im Juli kommen zwei neue Wirkstoffe zur Krebstherapie in den Handel:

  • Ceritinib (Zykadia®) ist ein selektiver ALK-Inhibitor (ALK= Anaplastische-Lymphokinase) und ist zur Therapie fortgeschrittener, ALK-positiver, nicht-kleinzelliger Bronchialkarzinome zugelassen.
  • Lenvatinib (Lenvima®) ist ein Multikinase-Inhibitor, der hauptsächlich antiangiogen wirkt und in vitro auch eine hemmende Wirkung auf das Tumorwachstum aufweist. Lenvatinib ist bei bestimmten Arten von Schilddrüsenkarzinomen indiziert, die auf eine Radiojodtherapie nicht angesprochen haben.

 Lenvatinib zeigt ein geringeres Wechselwirkungspotential als Ceritinib. In diesem Blog-Beitrag wird zuerst Lenvatinib unter dem Aspekt der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) betrachtet, wobei der Schwerpunkt auf den Wechselwirkungen liegt. Im nächsten Blog wird das Interaktionsprofil von Ceritinib dargestellt.

Lenvatinib – Wechselwirkungen und AMTS

Da Lenvatinib die QT-Zeit verlängern kann, sollte man bei Patienten, die Risikofaktoren für eine QT-Zeit-Verlängerung aufweisen und die weitere Arzneimittel einnehmen, welche ebenfalls das QT-Intervall verlängern können, besonders vorsichtig sein.

Da Lenvatinib nicht nur über das Cytochrom P450-System (v.a. CYP3A4), sondern in hohem Ausmaß auch über nicht-CYP-vermittelte Stoffwechselwege metabolisiert wird, ist das Interaktionspotential hier nur minimal.

Eine Induktion von gastrointestinalem CYP3A4 oder P-gp kann auf Basis der aktuellen Datenlage allerdings nicht ausgeschlossen werden. Somit ist Vorsicht geboten bei Wirkstoffen, die Substrate dieser Proteine darstellen und bei denen eine Wirksamkeitserhaltung essentiell ist. Eine Verminderung der Plasmaspiegel kann zu einer Reduktion der Wirkung führen. Dies ist bei Stoffen mit geringer therapeutischer Breite natürlich stärker ausgeprägt. Auch die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva kann nicht garantiert werden. Deshalb sollte eine zusätzliche, wirksame Verhütungsmethode angewendet werden.

Im nächsten Beitrag lesen Sie mehr zu den Interaktionen von Ceritinib.

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Die SCHOLZ Datenbank zum 3. Mal als Sponsor und Aussteller beim PharMSchool- Symposium in Münster

Am 26.06.2015 fand zum dritten Mal das PharMSchool Symposium der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt. Ausgerichtet wird dieses jeweils vom 8. Semester des Pharmaziestudiums. Die Studenten des 8. Semesters stellten in Kurzvorträgen und auf Postern die Ergebnisse ihrer Projektarbeiten vor, die sie während des Hauptstudiums angefertigt haben. Eingeladen waren auch Apotheker aus Offizin, Krankenhaus oder Forschung, die sich für die wissenschaftliche Arbeit des Apotheker-Nachwuchses interessieren. Einige Sponsoren, darunter auch die SCHOLZ Datenbank, stellten während der Pausen ihre Produkte vor.

Mit der kostenfreien Studentenversion möchte die SCHOLZ Datenbank die Studenten beim Studium unterstützen und ihnen helfen, den schnellen und zielorientierten Umgang mit der Datenbank für das spätere AMTS-Management in der Apotheke zu erlernen.

Speziell für Apotheker wurde die SCHOLZ Datenbank AMTS vorgestellt. In dieser umfangreichen Version der SCHOLZ Datenbank schließt sich die Medikationsplanerstellung direkt an den Risikocheck an. Der ArzneimittelRisikoCheck bietet eine ausführliche und übersichtliche Analyse von Wechselwirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen. Mit dem Modul zur Medikationsplanerstellung kann in kürzester Zeit ein patientengerechter und umfangreicher Medikationsplan erstellt werden, der sich an der Spezifikation der Arbeitsgruppe für Arzneimitteltherapiesicherheit orientiert. Das ATC-Code-basierte Optimierungssystem hilft dem Arzt oder Apotheker bei einer gefährlichen Arzneimittelverordnung eine risikoärmere Alternative zu finden.

Wir bedanken uns erneut bei den Organisatoren der PharMSchool und den teilnehmenden Studenten für diesen abwechslungsreichen und interessanten Tag und freuen uns auf das nächste Mal.

Mehr Informationen zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.