Archiv für den Monat: Mai 2015

Politik fordert verständlichere Beipackzettel – beipackzettel.de von der SCHOLZ Datenbank schafft schon Abhilfe

Die saarländische Gesundheitsministerin, Frau Monika Bachmann (CDU), fordert verständlichere Beipackzettel und will eine entsprechende Gesetzesinitiative im Bundesrat einbringen. Insbesondere sollen die wichtigsten Informationen zum Medikament an oberster Stelle aufgeführt werden. Dadurch sollen Unsicherheiten der Patienten reduziert werden.

beipackzettel.de ist ein Online-Dienst, der das neuartige Konzept der SCHOLZ Datenbank zu übersichtlicher und leichtverständlicher Gebrauchsinformation zu Arzneimitteln für Patienten umsetzt.

Besonders wichtige Angaben werden unübersehbar am Textanfang in einer Hinweisbox angezeigt. Die Hinweisbox kann sich auf Angaben zur Wirksamkeit beziehen, Anwendungshinweise enthalten oder sich als Warnbox zur Herausstellung besonders schwerwiegender Risiken präsentieren. Diese Darstellung geht zurück auf die von der US-Amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA geschaffene „boxed warning“ oder „black box warning“, mit der deutlich gemacht werden soll, dass das betroffene Arzneimittel ein erhebliches Risiko mit sich bringt, beispielsweise ernsthafte oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen. Auch das “Schwarze Dreieck”, das die Aufmerksamkeit von Patienten bei Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen wecken und eine erhöhte Bereitschaft zur Meldung von Nebenwirkungen fördern soll, wird hier kenntlich gemacht. Die Hinweisbox am Textanfang sorgt also dafür, dass der Patient, seine Familie oder seine Betreuer vor der Anwendung des Arzneimittels besonders Wichtiges auf jeden Fall lesen und nicht übersehen können.

Informieren Sie sich jetzt über Ihr Arzneimittel auf www.beipackzettel.de.

Zum Beispiel über:

Amoxicillin 500 Filmtabletten

MTX 5mg Tabletten

Xadago 100mg Filmtabletten

Celebrex 200mg Hartkapseln

Quellen:
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/saarland-gesetzesinitiative-verstaendlichere-beipackzettel/

Safinamid – ein neuer Wirkstoff aus der Reihe der MAO-B-Hemmer

Mit Xadago ® (Wirkstoff: Safinamid) ist aktuell eine neue medikamentöse Option zur Behandlung der Parkinson-Krankheit  auf den Markt gekommen.

Safinamid ist ein hochselektiver und reversibler MAO-B-Hemmer (Mono-Amino-Oxidase-B-Hemmer), der als Zusatztherapie zu Levodopa, auch in Kombination mit anderen Parkinsonmitteln, eingesetzt werden kann.  Die Wirksamkeit wurde in zwei Doppelblindstudien bei Parkinson-Patienten im mittleren bis späten Krankheitsstadium belegt.

MAO-Hemmer haben bekannterweise ein hohes Potenzial an Wechselwirkungen, die mit einer ernsthaften Verstärkung der Toxizität einhergehen können.
Insbesondere sind Kombinationen mit anderen MAO-Hemmern, aber auch mit starken Schmerzmitteln wie Pethidin, zu vermeiden, da Bluthochdruckkrisen nicht auszuschliessen sind. In Verbindung mit diversen Antidepressiva ist ebenfalls Vorsicht geboten, da das Auftreten eines Serotonin-Syndroms möglich ist. Auch OTC-Präparate können unerwünschte Wechselwirkungen bei Kombination auslösen, z.B. Hustenstiller, die Dextromethorphan enthalten, oder aber Sympathomimetika, die lokal bei Schnupfen eingesetzt werden.

Nutzer der SCHOLZ Datenbank können die Wechselwirkungen des neuen Arzneistoffs Safinamid mit anderen verschreibungspflichtigen oder OTC-Medikamenten interaktiv ermitteln und weitere therapierelevante Informationen zu Wirksamkeit, Dosierungen und Nebenwirkungen recherchieren.

Neuer Wirkstoff: Vortioxetin Teil 2

Das neue Antidepressivum Vortioxetin (Brintellix®), welches modulierend auf Serotoninrezeptoren und Transporter wirkt, wurde bereits im letzten Blog vorgestellt. Dort wurde der Wirkmechanismus kurz betrachtet und die pharmakokinetischen Interaktionen des Wirkstoffs unter AMTS-Gesichtspunkten beleuchtet.

Allerdings müssen bei diesem Arzneistoff nicht nur pharmakokinetische, sondern auch pharmakodynamische Wechselwirkungen berücksichtigt werden, die wir in diesem Blog näher betrachten wollen:

1) Gleichzeitige Anwendung mit serotonerg wirkende Substanzen

Bei Kombination von zwei oder mehreren serotonerg wirkenden Substanzen wie z.B. MAO-Hemmern, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI), tricyclischen Antidepressiva (TCA) etc. ist das Risiko für das Auftreten des potentiell lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms erhöht.

Die gleichzeitige Gabe von Vortioxetin mit irreversiblen, nicht-selektiven MAO-Hemmern und reversiblen, (nicht-)selektiven MAO-A-Hemmern ist deshalb kontraindiziert. Bei Kombination mit selektiven MAO-B-Hemmern und jeglichen anderen serotonerg wirkenden Arzneimitteln ist Vorsicht geboten.

2) Gleichzeitige Anwendung mit Substanzen, die die Krampfschwelle herabsetzen

Da serotonerg wirkende Antidepressiva die Krampfschwelle herabsetzen können, ist bei Kombination mit jeglichen Arzneimitteln, die ebenfalls die Schwelle für Krampfanfälle senken, auch Vorsicht angezeigt.

3) Gleichzeitige Anwendung mit gerinnungshemmenden Substanzen

Es wurde festgestellt, dass das Blutungsrisiko bei der Behandlung mit serotonerg wirkenden Arzneimitteln wie z.B. SNRI und SSRI erhöht sein kann, da Serotonin auch für die Thrombozytenaggregation eine wichtige Rolle spielt. Somit besteht bei der Kombination von serotonerg wirkenden Substanzen mit gerinnungshemmenden Medikamenten potentiell eine erhöhte Blutungsgefahr. Obwohl bei gleichzeitiger Anwendung von Vortioxetin mit Aspirin oder Warfarin keine signifikanten Effekte festgestellt wurden, ist bei Kombination von Vortioxetin mit Gerinnungshemmern grundsätzlich Vorsicht geboten.

Neuer Wirkstoff: Vortioxetin Teil 1

Vortioxetin (Brintellix®) ist ein Antidepressivum, welches modulierend auf die serotonerge Rezeptoraktivität wirkt. Vortioxetin wirkt agonistisch am Serotoninrezeptor 5-HT1A und als partieller Agonist am 5-HT1B-Rezeptor. Es wirkt als Antagonist an den Rezeptoren 5HT3-, 5-HT7 und 5-HT1D. Weiterhin wirkt Vortioxetin hemmend auf den Serotonintransporter, wodurch ein modulatorischer Effekt auf andere Neurotransmittersysteme ausgeübt wird.

AMTS: Welche Interaktionen müssen bei einer Therapie mit Vortioxetin berücksichtigt werden?

Bei Anwendung von Vortioxetin müssen sowohl pharmakokinetische, als auch pharmakodynamische Wechselwirkungen berücksichtigt werden. Auch genetische Polymorphismen spielen eine Rolle.

In diesem Blog werden zunächst die pharmakokinetischen Interaktionen betrachtet:

Vortioxetin wird stark in der Leber metabolisiert. Am Metabolismus ist hauptsächlich das Cytochrom P450-Enzym CYP2D6 beteiligt. In geringerem Ausmaß wir Vortioxetin auch über die Enzyme CYP3A4/5 und CYP2C9 verstoffwechselt. Vortioxetin ist in geringem Ausmaß ein Substrat des Efflux-Transporters P-Glycoprotein (P-gp) und gleichzeitig ein schwacher P-gp-Inhibitor.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Substanzen, die das Enzym CYP2D6 beeinflussen, ist also Vorsicht geboten. Bei Kombination von Vortioxetin mit starken CYP2D6-Hemmern sollte die Dosis in Abhängigkeit des Ansprechens des Patienten gesenkt werden. Umgekehrt kann bei gleichzeitiger Gabe von Substanzen, die mehrere CYP-Enzyme (v.a. CYP2D6, CYP3A4 und CYP2C9) induzieren, eine Dosisreduktion notwendig sein.

Bei Kombination von Vortioxetin mit starken CYP2C9-, CYP3A4 und /oder P-Glycoprotein (P-gp)-Inhibitoren kann es zu einem geringfügigen Anstieg des Vortioxetin-Plasmaspiegels kommen, was im Normalfall klinisch nicht relevant ist. Allerdings kann es bei schlechten CYP2D6-Metabolisieren zu stärkeren Anstiegen des Vortioxetin-Plasmaspiegels kommen, die mit einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko verbunden sind, wenn gleichzeitig CYP2C9- und/oder CYP3A4-Hemmer gegeben werden.

Im nächsten Blog beleuchten wir die pharmakodynamischen Interaktionen von Vortioxetin. Falls Sie sich vorher informieren möchten, schauen Sie einfach in Ihre SCHOLZ Datenbank.