Archiv für den Monat: Februar 2015

Neue Wirkstoffkombination: Ezetimib/Atorvastatin

Im März 2015 kommt mit Atozet® ein neues Kombinationsarzneimittel auf den deutschen Arzneimittelmarkt, welches eine Kombination aus Atorvastatin und Ezetimib (Atozet®) enthält. Es soll zur Behandlung der Hypercholesterinämie bei Patienten eingesetzt werden, die nicht ausreichend mit einer Statin-Monotherapie behandelt werden können. Für Atorvastatin wurde eine Reduktion der Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse nachgewiesen. Dieser Nachweis wurde allerdings bisher weder für Ezetimib noch für das Kombinationspräparat Atorvastatin/Ezetimib erbracht. Der tatsächliche Nachweis eines therapeutischen Nutzens bleibt also abzuwarten. Eine signifikant stärkere Senkung von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Apolipoprotein B und Triglyceriden durch das Kombinationspräparat Atorvastatin/Ezetimib im Vergleich zu Atorvastatin alleine konnte allerdings nachgewiesen werden. Seit längerer Zeit gibt es bereits ein Arzneimittel in dem Ezetimib mit Simvastatin kombiniert wird.

Was ist im Bereich der Arzneimitteltherapiesicherheit bei dieser Wirkstoffkombination zu beachten?

Zwischen Atorvastatin und Ezetimib bestehen keine Interaktionen auf pharmakokinetischer Ebene. Allerdings wird die gleichzeitige Anwendung von Ezetimib und Atorvastatin mit dem Auftreten von muskulären Erscheinungen wie z.B. Myopathien in Verbindung gebracht. Einzelfallberichte sind bekannt.

Myalgien, Myopathien und Rhabdomyolysen sind Nebenwirkungen, die sowohl bei Statinen, als auch bei Ezetimib auftreten können. Daher kann das Risiko für derartige Erscheinungen bei Kombination dieser Wirkstoffe erhöht sein.

Somit sollte diese Wirkstoffkombination nur mit größter Vorsicht bei Patienten verordnet werden, die Risikofaktoren für eine Rhabdomyolyse aufweisen, wie z.B. eine eingeschränkte Nierenfunktion, Lebererkrankungen, Muskelerkrankungen oder ein Alter von mehr als 70 Jahren. Weiterhin sollte der Patient über Warnsignale einer Myopathie bzw. Rhabdomyolyse aufgeklärt werden, wie z.B. Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe einhergehend mit Unwohlsein und Fieber. Leberfunktionstests sind ebenfalls vor der Therapie und in regelmäßigen Abständen während der Therapie durchzuführen.

Weiterhin sind natürlich Wechselwirkungen beider Wirkstoffe mit anderen Arzneimitteln zu beachten, die wir in unserem nächsten Eintrag näher beleuchten wollen.

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Zwei neue Virustatika: Mehrere Wirkstoffe mit hohem Interaktionsrisiko – Ombitasvir und Paritaprevir näher beleuchtet

Wie unserem letzten Beitrag bereits zu entnehmen war, kommen im Februar mit Viekirax® (Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir) und Exviera® (Dasabuvir) zwei neue Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C auf den deutschen Arzneimittelmarkt.

Da die enthaltenen Wirkstoffe jeweils mehrere Transportproteine wie z.B. den Efflux-Transporter P-Glycoprotein (P-gp), das Breast Cancer Resistance Protein (BCRP) oder die hepatischen Anionentransporter vom Typ OAPT1B sowie Enzyme des Cytochrom P450-Systems beeinflussen, ist die Zahl der möglichen Interaktionen hoch. Das Interaktionspotential von Ritonavir ist bereits seit langem bekannt. Der Wirkstoff Dasabuvir wurde im letzten Beitrag näher beleuchtet.

Heute wollen wir die Kinetik und das Wechselwirkungspotential der beiden neuen Wirkstoffe Ombitasvir und Paritaprevir des Präparates Viekirax® näher betrachten:

Wie Dasabuvir sind Paritaprevir und Ombitasvir Inhibitoren der UDP-Glucuronosyltransferase 1A1 (UGT1A1). Sowohl Ombitasvir, als auch Paritaprevir und Dasabuvir können somit den Plasmaspiegel von UGT-Substraten wie z.B. Furosemid erhöhen.

Paritaprevir ist – im Gegensatz zu Ombitasvir – zusätzlich ein Inhibitor des Efflux-Transporters P-Glycoprotein (P-gp), des Breast Cancer Resistance Proteins (BCRP) und der hepatischen Anionentransporter OATP1B1/1B2 und 1B3. Die Hemmung der hepatischen Anionentransporter spielt bei Interaktionen mit HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren eine wichtige Rolle. Paritaprevir kann auf diese Weise den Plasmaspiegel von einigen Statinen erhöhen, was bekanntlich schwere Myopathien, Rhabdomyolyse und akutes Nierenversagen zur Folge haben kann. Auch mit anderen OATP1B-Substraten wie Valsartan, Fexofenadin und Repaglinid ist Vorsicht geboten.

Zwei neue Virustatika: Mehrere Wirkstoffe mit hohem Interaktionsrisiko – Dasabuvir-Interaktionen näher beleuchtet

Mit Viekirax® (Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir) und Exviera® (Dasabuvir) kommen im Februar zwei neue Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C auf den deutschen Arzneimittelmarkt. Je nach Genotyp und Zirrhose-Status des Patienten wird Viekirax® mit Exviera® und/oder Ribavirin kombiniert angewendet.

Die Zahl der möglichen Interaktionen bei so einer Kombinationstherapie ist hoch. Die vielfältigen Wechselwirkungen sollten im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sorgfältig bedacht werden.

Die involvierten Wirkstoffe beeinflussen jeweils mehrere Transportproteine wie z.B. den Efflux-Transporter P-Glycoprotein (P-gp), das Breast Cancer Resistance Protein (BCRP) oder die hepatischen Anionentransporter vom Typ OAPT1B sowie Enzyme des Cytochrom P450-Systems. Hinzu kommt, dass sie selbst Substrate des Cytochrom P450-Systems und einiger Transportproteine sind.

Der bereits seit langem bekannte Wirkstoff Ritonavir ist ein starker Cytochrom P-450-Inhibitor/Induktor, P-Glycoprotein- sowie BCRP (Breast Cancer Resisctance Protein)-Inhibitor und ist für eine Vielzahl der Interaktionen verantwortlich.

Der neue Wirkstoff Dasabuvir wird hauptsächlich über das Enzym CYP2C8 und in geringerem Ausmaß über das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Mit Inhibitoren sowie mit Induktoren dieser CYP-Enzyme ist Vorsicht geboten. Enzyminduktoren wie Carbamazepin können die Wirksamkeit von Dasabuvir gefährden, während Inhibitoren von CYP2C8 wie z.B. Gemfibrozil das Risiko für Nebenwirkungen von Dasabuvir erhöhen können.

Dasabuvir selbst ist ein Inhibitor der UDP-Glucuronosyltransferase 1A1 (UGT) und der Transportproteine BCRP- und P-gp. Dadurch können zum Beispiel die Plasmaspiegel von Substanzen wie Furosemid (UGT-Substrat), Imatinib (BCRP-Substrat) oder Digoxin (P-gp-Substrat) beeinflusst werden. Dies kann eine klinische Überwachung des Patienten oder Dosisanpassungen erfordern.

Im nächsten Blog lesen Sie etwas zu den weiteren zwei neuen Wirkstoffen dieser Präparate Ombitasvir und Paritaprevir.

Wechselwirkungen mit Augenarzneimitteln

Wechselwirkungen mit lokal am Auge angewendeten Arzneimitteln sind zwar unwahrscheinlicher als Wechselwirkungen zwischen systemisch wirksamen Arzneimitteln, spielen aber durchaus eine Rolle. Die SCHOLZ Datenbank zeigt alle Wechselwirkungen mit Angabe ihrer Relevanz und Häufigkeit in Abhängigkeit von Dosis und Applikationsweg an.

Viele ältere Menschen bekommen neben zahlreichen Tabletten zusätzlich Augenarzneimittel und sollten von ihrem Arzt oder in der Apotheke ausführlich zur richtigen Anwendung beraten werden, um die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der Patienten zu erhöhen.

Zu Interaktionen mit Augenarzneimitteln oder systemischen Nebenwirkungen durch Augenarzneimittel kann es vor allem bei falscher Handhabung und Überdosierung von Augentropfen kommen.

Bei manchen Augentropfen sollte der Patient beispielsweise den Tränenkanal nach der Anwendung für 1-2 min abdrücken, damit der Wirkstoff nicht über den Tränennasengang (Ductus nasolacrimalis) in den systemischen Kreislauf gelangt. Durch lokale Überdosierungen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu einer systemischen Wirkung kommt und das Interaktionsrisiko steigt.

Auch bei Anwendung mehrerer Augenarzneimittel gleichzeitig kann es zu lokalen Wechselwirkungen kommen. Grundsätzlich sollte immer ein Mindestabstand von 10 min zwischen der Anwendung von zwei Augenarzneimitteln gehalten werden.