Archiv für den Monat: Dezember 2014

Die SCHOLZ Datenbank 2014: Rückblick auf ein Jahr mit innovativen Neuerungen

Im Jahr 2014 wurde die Funktionalität der SCHOLZ Datenbank weiter verbessert und die Datenbank für die Nutzung im Bereich Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) optimiert. Mit diesen Neuerungen der SCHOLZ Datenbank ist es gelungen, den Arbeitsaufwand für Mediaktions-Analysen inkl. Medikationsplanerstellung erheblich zu reduzieren und damit für eine enorme Zeitersparnis bei AMTS-Analysen zu sorgen. Hervorzuheben sind dabei das ATC-Code basierte Optimierungssystem sowie die Medikationsplanerstellung.

Im Juli 2014 wurde das Optimierungssystem der SCHOLZ Datenbank grundlegend verändert:
Das Optimierungssystem mit dem der professionelle Anwender systematisch in kürzester Zeit alternative Arzneimittel zur Vermeidung von Wechselwirkungen findet. Dieses System ist ATC-Code basiert, wodurch eine optimale Übersicht über alternative Wirkstoffe, auch aus verwandten Wirkstoffgruppen, erreicht wird. Dem Arzt oder Apotheker wird auf einen Blick das Risikopotential aller Wirkstoffe, Dosierungen und Darreichungsformen aus der gleichen chemisch-therapeutisch-pharmakologischen Untergruppe angezeigt. Weiterhin kann er auch auf höherer Ebene zwischen den therapeutisch-pharmakologischen Untergruppen wechseln und alternative Therapiemöglichkeiten betrachten.

Seit Oktober 2014 ist es möglich mit der SCHOLZ Datenbank in kürzester Zeit einen patientengerechten Medikationsplan zu erstellen:
Für die Medikationsplanerstellung wurde ein neues Modul entwickelt, in dem Patientendaten in einer Kartei abgespeichert werden können und ein patientengerechter, übersichtlicher Medikationsplan erstellt werden kann.
Dieser Medikationsplan setzt wesentliche Anforderungen der Arbeitsgruppe für Arzneimitteltherapiesicherheit (Aktionsbündnis zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland) um. Diagnosen und Indikationen können blitzschnell den betreffenden Medikamenten zugeordnet werden. Hilfestellungen zur Angabe der richtigen Dosierung und Hinweise zur Einnahme des Medikamentes sind ebenfalls in diesem System enthalten, so dass dem Benutzer langwieriges Nachgucken in Fachinformation oder Beipackzettel erspart wird. Der Benutzer kann diesen Medikationsplan mit der Anschrift der Apotheke und dem Apothekenlogo oder der Arztpraxis versehen und dem Patienten Ausdrucken. Zusätzlich zum Medikationsplan bietet die SCHOLZ Datenbank die Möglichkeit, Patienteninformationen in Laiensprache bezüglich wichtiger gefundener Wechselwirkungen auszudrucken.

Nun wünschen wir unseren Kunden, Partnern und interessierten Blog-Lesern einen guten Rutsch und viel Erfolg im Jahr 2015!

Herzliche Weihnachtsgrüße der ePrax AG.

Das Team der ePrax AG und der SCHOLZ Datenbank bedankt sich bei allen Kunden für das entgegengebrachte Vertrauen und bei allen Lesern unseres News-Blogs für ihr Interesse!

Wir wünschen Ihnen allen ein frohes und besinnliches Weihnachsfest.

DAZ Datenbankvergleich Interaktionsprüfung: SCHOLZ Datenbank als effektives, technologieweisendes Instrument bestätigt

Kommentar zum Artikel Ich frag‘ mal schnell meine Datenbank“, Dorothee Dartsch, Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 51/52 18.12.2014

Die hier detailliert durchgeführte Vergleichsanalyse von acht Programmen für die Interaktionsprüfung hat ergeben, dass sich das Funktionalitäten-Spektrum der SCHOLZ Datenbank teils erheblich von dem anderer Programme unterscheidet:

  1. Zweidimensionale Klassifizierung der Wechselwirkungen nach Relevanz und Häufigkeit (Bewertungskriterien ohne Häufigkeitsschätzung sind für Nutzen/Risiko-Überlegungen nur bedingt geeignet)
  2. Dezidierte Darstellung der Wechselwirkungen von Dreierkombinationen, wenn dadurch die Klassifizierung und Nutzen/Risiko-Einschätzung für die Wechselwirkung gegenüber der entsprechenden binären Zweierkombination positiv oder negativ verändert ist
  3. Dynamische Steuerung der Klassifizierung der Wechselwirkungen in Abhängigkeit von Dosierung und Zahl der involvierten Wirkstoffe
  4. Systematische Auflistung kumulierender Nebenwirkungen, z.B. „QT-Intervall-Verlängerung“, „Agranulozytose“, „Hepatitis“ oder „Verstopfung“
  5. Systematische Auflistung von Nebenwirkungen, die bei Eintreten Kontraindikationen oder Anwendungsbeschränkungen für andere Arzneimittel darstellen
  6. Beschreibung der Wechselwirkungen nicht nur unter Risiko-Gesichtspunkten sondern auch als Analyse von Nutzen und Risiko, den Kategorien, in welchen der verordnende Arzt ebenfalls denkt und denken muss
  7. Einbeziehung von Risikofaktoren, insbesondere auch wichtigen genetischen Polymorphismen, zur besseren Bestimmung des patientenindividuellen Interaktionsrisikos
  8. ATC-Code-basiertes Optimierungssystem zum Auffinden risikoärmerer Alternativen
  9. Pubmed/MEDLINE-Schnittstelle mit Mesh-Term-Converter zur Literaturrecherche

Wir betrachten diese Analyse als Bestätigung unserer Arbeit und Expertise, mit der die SCHOLZ Datenbank seit mehr als 30 Jahren (1) technologieweisende Entwicklungsimpulse gesetzt hat und auch in Zukunft setzen wird, um Arzt und Apotheker bei der patientenindividuellen Beratung zum Thema Interaktionen wirksame Unterstützung zu geben.

(1) siehe auch „SCHOLZ-Arzneimittel-Datenbank“, Wolfgang Scholz, Deutsche Apothekerzeitung Nr. 14, 2.4.1992

Rote Hand Brief zu Mycophenolatmofetil: Auftreten von Hypogammaglobulinämie und Bronchiektasie bei Kombination mit anderen Immunsuppressiva

In einem aktuellen „Rote-Hand-Brief“ werden Ärzte und Apotheker über das Risiko für die Entwicklung einer Hypogammaglobulinämie (Mangel an Immunglobulinen) und Bronchiektasie (irreversible Ausweitung der Bronchien) bei Anwendung des Immunsuppressivums Mycophenolatmofetil in Kombination mit anderen Immunsuppressiva informiert. Mycophenolatmofetil ist ein Prodrug, welches im Körper zu dem aktiven Metaboliten Mycophenolsäure umgewandelt wird. Dieser Rote-Hand-Brief gilt somit für alle Präparate, die Mycophenolsäure freisetzen.

Es wurden Fälle von Hypogammaglobulinämie bei Patienten berichtet, die Mycophenolatmofetil in Kombination mit anderen Immunsuppressiva erhielten. Rezidivierende Infektionen stellen ein Anzeichen für eine Hypogammaglobulinämie dar.

Eine Bronchiektasie trat ebenfalls bei Patienten auf, die gleichzeitige noch andere Immunsuppressiva erhielten und ging stets mit pulmonalen Symptomen wie Husten mit Auswurf oder Dyspnoe einher.

Rote Hand Brief zu Ivabradin: Verapamil und Diltiazem sind bei gleichzeitiger Anwendung von Ivabradin kontraindiziert

Bisher wurde – laut Fachinformation von Ivabradin – die gleichzeitige Anwendung von Ivabradin mit Diltiazem oder Verapamil nicht empfohlen. Im aktuellen „Rote-Hand-Brief“ vom 10.12.2014 wird darauf hingewiesen, dass die gleichzeitige Therapie mit Ivabradin und Diltiazem oder Verapamil aufgrund der aktuellen Erkenntnisse nun sogar kontraindiziert ist.

Hier liegt eine Kombination aus pharmakokinetischer und pharmakodynamischer Interaktion vor:

  1. Der Ivabradin-Abbau am Cytochrom P450-Enzym CYP3A4 ist durch die moderaten CYP3A4-Inhibitoren Diltiazem und Verapamil vermindert. Dadurch kann der Plasmaspiegel von Ivabradin deutlich erhöht sein (2-3-fache Erhöhungen der Ivabradin-AUC wurden in Verbindung mit Verapamil und Diltiazem beobachtet). Diese pharmakokinetische Interaktion kann zu einer verstärkten Wirkung von Ivabradin und damit zu einer verstärkten Senkung der Herzfrequenz führen.
  2. Verapamil und Diltiazem wirken beide ebenfalls herzfrequenzsenkend. Somit kann es bei Kombination von Ivabradin mit Verapamil oder Diltiazem zu einer zusätzlichen Abnahme der Herzfrequenz kommen. Beobachtet wurden zusätzliche Herzfrequenzsenkungen um 5 Schläge pro Minute.

SCHOLZ Datenbank verschärft Risikoeinstufung: Erhöhtes Risiko für Todesfälle bei Kombination von ACE-Hemmer oder Sartanen mit Antibiotika wie Cotrimoxazol und Ciprofloxazin

Die Tatsache, dass Trimethoprim in Kombination mit ACE-Hemmern und Sartanen verstärkt zu Hyperkaliämien führt, ist schon seit 2010 bekannt (http://www.arznei-telegramm.de/html/2010_07/1007075_03.html). Diese Wechselwirkung wird seitdem selbstverständlich in der SCHOLZ Datenbank dargestellt. Aufgrund der aktuellen Daten (Bekanntmachung November 2014) wurde die Risikoeinstufung in der SCHOLZ Datenbank im letzten Update verschärft.

In einer neuen Fall-Kontroll-Studie (1994-2012), die kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde, wird über ein erhöhtes Risiko plötzlicher Todesfälle innerhalb von 7-14 Tagen nach einer Antibiotika-Therapie mit Cotrimoxazol (Sulfamethoxazol+Trimepthoprim) oder Ciprofloxacin bei Patienten berichtet, die sich in einer Dauertherapie mit ACE-Hemmern oder Sartanen befanden (http://www.bmj.com/content/349/bmj.g6196).

Dass ACE-Hemmer und Sartane über eine Hemmung der Aldosteronsekretion zu einer verminderten Kaliumaussscheidung führen können, ist bekannt. Als Ursache für die plötzlichen Todesfälle in dieser Studie werden Herzrhythmusstörungen angenommen, die wahrscheinlich durch eine Hyperkaliämie ausgelöst bzw. verschlimmert wurden.

Ein besonders hohes Risiko besteht bei alten Patienten, bei Patienten, die zusätzlich an einer Nierenfunktionsstörung leiden oder wenn weitere Medikamente eingenommen werden, die Kaliumspiegel erhöhen können wie z.B. kaliumsparende Diuretika.

Neu in der SCHOLZ Datenbank: Ataluren – ein kurzer Überblick über pharmakodynamische und pharmakokinetische Interaktionen

Mit Altaluren ist seit Anfang Dezember ein neues „small molecule“ auf dem deutschen Arzneimittelmarkt, welches zur Therapie der Erbkrankheit „Duchenne-Muskeldystrophie“ eingesetzt wird. Bei dieser Erkrankung kann das Muskelstrukturprotein Dystrophin durch eine Nonsense-Mutation des Dystrophin-Gens, die zu einem fälschlicherweise zu früh eingebauten Stoppcodon in der mRNA führt, nicht richtig gebildet werden. Ataluren ist in der Lage, das Stoppcodon zum umgehen und ermöglich dadurch die Bildung des Proteins in voller Länge.

Unter AMTS-Gesichtspunkten sollte beachtet werden, dass Ataluren nicht zusammen mit Aminoglycosid-Antibiotika angewendet werden darf, denn einerseits kam es in vitro zu einer Abschwächung der Durchleseaktivität von Ataluren bei Kombination mit Aminoglycosid-Antibiotika, andererseits scheint Ataluren die Nephrotoxizität intravenöser Aminoglycoside zu erhöhen. Da der Mechanismus nicht genau bekannt ist, sollte Ataluren auch nicht mit anderen potentiell nephrotoxischen Substanzen kombiniert werden.

Auch kinetische Interaktionen müssen bei der Anwendung von Ataluren beachtet werden. Ataluren ist ein Substrat der Uridin-Diphosphat-Glucuronosyltransferase 1A9 (UGT1A9) in Darm und Leber und dem Brustkrebsresistenzprotein BCRP. Weiterhin wurde in vitro eine Inhibition der UGT1A9, der organischen Anionentransporters OAT1 und OAT3 sowie des Anionen transportierenden Peptides OATP1B3 durch Ataluren festgestellt.

Genetischer Polymorphismus: Warum Pharmafirmen Codein-Säfte für Kinder vom Markt nehmen

Codeinsäfte waren ursprünglich zur Anwendung bei Reizhusten für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. 2013 kam es nach einer neuen Risikobeurteilung der EMA zu der Empfehlung, die Altersgrenze bei allen Codein-haltigen Arzneimitteln auf 12 Jahre anzuheben. Die Firma UCB Pharma nimmt nun, im November 2014, ihre Codein-Säfte und -Tropfen aufgrund von Zwischenfällen aus dem Handel [1,2].

Der Hintergrund für die Anhebung der Altersgrenze waren Meldungen von schweren Komplikationen (z.B. Atemdepression) bei Kindern unter Codein-Therapie, die in einzelnen Fällen zum Tod führten. Diese Komplikationen traten bei sog. CYP2D6-Ultrarapid-Metabolizern auf.

Codein wird hauptsächlich durch Glucuronidierung metabolisiert und in geringerem Ausmaß (3-20%) über das Enzym CYP2D6 O-demethyliert, wodurch der aktive Metabolit Morphin entsteht [3]. Bei den Ultrarapid-Metabolizern wird Codein schneller zu Morphin verstoffwechselt, was zu erhöhten Morphin-Blutspiegeln führen kann. Dadurch kann es auch schon bei normalen therapeutischen Dosierungen verstärkt zu gefährlichen Nebenwirkungen des Morphins wie z.B. Atemdepression kommen. Diese können im schlimmsten Fall bei Kindern tödlich sein. Das Enzym CYP2D6 ist durch andere Substanzen kaum induzierbar.

Umgekehrt ist zu beachten, dass es bei vermindertem Metabolismus über CYP2D6 wie z.B. bei den sog. Poor- bzw. Intermediate-Metabolizern, zu einer fehlenden bzw. verringerten Codeinwirkung kommen kann.

Ähnliche Phänomene könnten auch bei gleichzeitiger Anwendung von Codein mit CYP2D6-Inhibitoren oder –Induktoren zu erwarten sein. Allerdings CYP2D6 ist durch Xenobiotika aber kaum induzierbar. Somit ist hier das Interaktionspotential gering [4]. Im Gegensatz dazu können CYP2D6-Inhibitoren wie z.B. Paroxetin die Bildung von Morphin, welches die antitussive und analgetische Wirkung hervorruft, unterdrücken und zu Therapieversagen führen [4].

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Quellen:

[1] Rote Hand Brief 13.11.2014,http://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2014/info-codein.html[2] http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55095[3] Fachinformation Codicaps Saft gegen Reizhusten, September 2013[4]„Das Interaktionspotential von Antitussiva“, Holger Petri, Krankenhauspharmazie 9,2014