Archiv für den Monat: Oktober 2014

Idelalisib – ein neuer Wirkstoff mit einem hohen Interaktionsrisiko

Mit Zydelig (Wirkstoff: Idelalisib) ist diesen Monat ein Medikament auf dem Markt gekommen, welches durch eine starke Hemmung von CYP3A4 ein hohes Interaktionspotential mit sich bringt. In vitro Versuche geben zusätzlich Hinweise auf eine induzierende Wirkung auf diverse Leberenzyme. Zydelig wird zur Behandlung der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) in Kombination mit Rituximab eingesetzt. Es kann auch bei mit follikulärem Lymphom (FL) in Monotherapie eingesetzt werden, wenn andere Therapien versagt haben.

Der pharmakologisch inaktive Hauptmetabolit von Idelalisib ist ein starker CYP3A4-Inhibitor. Da bekanntlich sehr viele Arzneistoffe über das Enzym CYP3A4 abgebaut werden, ist dies allein ist schon ein Grund für das hohe Wechselwirkungsrisiko von Idelalisib. Die gleichzeitige Verabreichung von Idelalisib mit anderen CYP3A4-Substraten wie z.B. einigen Benzodiazepinen, Calcium-Kanal-Blockern, einigen Makroliden, bestimmten Virustatika und natürlich einigen Statinen sollte möglichst vermieden werden. Falls es dennoch notwendig ist, sollte der Patient klinisch überwacht werden.

In vitro Versuche deuten darauf hin, dass Idelalisib sowohl eine induzierende Wirkung als auch hemmende Wirkung auf CYP2C8 hat. In vitro wurde weiterhin eine CYP2C9-, CYP2C19- und CYP2B6- und UGT-Induktion nachgewiesen. In vitro Versuche sind oft nicht 1:1 auf das Verhalten des Arzneistoffs in vivo übertragbar. Es ist also nicht klar, ob diese Wechselwirkungen auch in vivo relevant sind. Nichtsdestotrotz ist hier besondere Vorsicht z.B. bei der Anwendung gemeinsam mit Phenytoin oder Warfarin gefragt.

Es konnte keine klinisch relevante Hemmung von Transportproteinen wie P-gp, BRCP oder OATP nachgewiesen werden. Trotzdem ist auch hier – v.a. bei P-gp-Substraten mit geringer therapeutischer Breite – Vorsicht angebracht. Idelalisib und sein Hauptmetabolit sind nämlich zumindest Substrate von P-gp und BCRP.

Weiterhin wird Idelalisib in geringem Maße auch über CYP3A4 verstoffwechselt. Die Kombination von Zydelig mit starken bis moderaten CYP3A4-Induktoren sollte vermieden werden, um die Wirksamkeit von Idelalisib nicht zu gefährden. Bei CYP3A4-Inhibitoren sollte verstärkt auf Nebenwirkungen von Idelalisib geachtet werden.