Archiv für den Monat: Juni 2014

Neue Arzneimittel mit ungewöhnlichem Wechselwirkungspotential: Mit der SCHOLZ Datenbank immer auf dem neusten Stand

Zwei neue Arzneimittel wurden Mitte Juni auf dem deutschen Arzneimittelmarkt eingeführt: Der monoklonale Antikörper Siltuximab (Sylvant) ist zur Therapie der multizentrischen Castleman-Krankheit zugelassen und der antivirale Wirkstoff Simeprevir (Olysio) zur Behandlung von Hepatitis C. Beide Medikamente können sich in unterschiedlicher Art und Weise auf das Cytochrom P450-System auswirken und somit pharmakokinetische Interaktionen mit bestimmten anderen Arzneimitteln hervorrufen.

Ungewöhnlich ist, dass Siltuximab als monoklonaler Antikörper das Cytochrom P450-System beeinflussen kann. Dahinter steckt die Möglichkeit einer indirekten Aktivierung des Cytochrom P450-vermittelten Metabolismus, die mit dem Wirkmechanismus von Siltuximab zusammenhängt: Durch die Bindung an Interleukin-6 kann Siltuximab den Metabolismus bestimmter Arzneistoffe über CYP-Enzyme indirekt erhöhen und den Abbau dieser Wirkstoffe beschleunigen.

Simeprevir kann über verschiedene Mechanismen in pharmakokinetische Interaktionen verwickelt sein: Es wird über das Enzym CYP3A4 metabolisiert und kann dieses auch in geringem Ausmaß hemmen, wobei die Besonderheit ist, dass Simeprevir nur das intestinale CYP3A4 hemmt. Somit werden vor allem Arzneistoffe beeinflusst, die einem hohen First-Pass-Effekt durch CYP3A4 in der Darmwand unterliegen und dadurch eine geringe Bioverfügbarkeit aufweisen. Kritisch kann dies bei Arzneimitteln werden, die oral eingenommen werden und eine geringe therapeutische Breite haben. Umgekehrt können auch die Simeprevir-Plasmaspiegel durch eine Inhibition bzw. Induktion von CYP3A4 beeinflusst werden. Weiterhin ist Simeprevir ein Substrat und Hemmer des Transportproteins OATP1B1 sowie Inhibitor von P-gp.

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln sind nicht zu unterschätzen

Anlässlich des Tages der Apotheke wird heute deutschlandweit in Apotheken zum Thema Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Nahrungsmitteln informiert. Diese Wechselwirkungen sind vielfältig und werden oft unterschätzt.

Ein alltägliches Beispiel ist die mögliche Beeinträchtigung der Wirkung einiger Antibiotika durch den gleichzeitigen Verzehr von Milchprodukten. Mit dem Calcium aus der Milch bilden einige Antibiotika aus der Klasse der Tetracycline oder Gyrasehemmer schwerlösliche Komplexe und können nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper aufgenommen werden.

Viele andere Nahrungsmittel können auf unterschiedlichste Art und Weise die Wirkung von Arzneimitteln reduzieren oder auch Wirkungen sowie Nebenwirkungen verstärken. Interaktionen mit Nahrungsmitteln treten sowohl auf pharmakolodynamischer, als auch auf pharmakokinetischer Ebene auf. So kann, wie im oben genannten Beispiel, direkt im Magen-Darm-Trakt die Löslichkeit und die Resorption von Arzneimitteln beeinflusst werden. Weiterhin kann der Abbau von Arzneimitteln gehemmt werden wie z.B. durch Grapefruitsaft. Einige Nahrungsmittel vermindern aber auch durch gegenteilige Wirkungen die Wirksamkeit von bestimmten Arzneimitteln. So können z.B. Vitamin K-reiche Nahrungsmittel, wie Brokkoli und Grünkohl, die Wirkung des Gerinnungshemmers Marcumar beeinträchtigen.

Mehr Information zu dieser und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank.