Archiv für den Monat: Mai 2014

Bedeutung von Anion-Transportproteinen für das Nebenwirkungsrisiko von Simvastatin: BfArM fordert Änderung der Fachinformation von Simvastatin

Aktuell fordert das BfArM eine Änderung der Fachinformation von Simvastatin 80 mg hinsichtlich eines genetischen Polymorphismus des Gens SLC01B1, welches den Anion-Transporter OATP1B1 kodiert. Dieses Transport-Protein spielt eine große Rolle bei der Aufnahme von Simvastatin in die Leberzelle, welche den Wirk- und Metabolisierungsort von Statinen darstellt.

Ist dieses Transportprotein z.B. durch eine Genmutation weniger aktiv, oder wird es durch andere Arzneistoffe wie z.B. Ciclosporin gehemmt, ist das Risiko gefährlicher Simvastatin-Nebenwirkungen wie z.B. Myopathien oder Rhadomyolysen erhöht. Besonders gefährlich wird es, wenn hohe Dosen Simvastatin verabreicht werden. Deshalb empfiehlt das BfArM vor einer Behandlung mit Simvastatin 80 mg eine Genotypisierung der Patienten durchzuführen. Ärzte und Apotheker sollten anlässlich dieser aktuellen Diskussion ihr Augenmerk auch auf potentielle Interaktionsrisiken von OATP1B1-inhibierenden Arzneistoffen mit hoch dosiertem Simvastatin richten.

Mehr Information zu dieser und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Auch das Antibiotikum Clindamycin erhöht das Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten

Mit der SCHOLZ Datenbank immer auf dem neusten Stand:

Einige Antibiotika erhöhen in Kombination mit Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin und Phenprocoumon die Blutungsneigung. Bisher galt das Antibiotikum Clindamycin in dieser Hinsicht als ungefährlich. In einzelnen Fällen wurden allerdings unter Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten und Clindamycin erhöhte Blutgerinnungswerte (PT,INR) und/oder Blutungen festgestellt. Aufgrund dieser Einzelfallberichte empfahl das PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) den Hinweis auf verstärkte Blutgerinnungshemmung bei gleichzeitiger Therapie mit Vitamin K-Antagonisten und Clindamycin in der Gebrauchsinformation von Clindamycin-haltigen Arzneimitteln zu ergänzen.

Bei Patienten, die unter Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten zusätzlich mit Clindamycin behandelt werden, sollten die Blutgerinnungswerte (PT/INR) engmaschig überwacht werden.

Stiftung Warentest testet Deutschlands Apotheken

Die Stiftung Warentest testete Deutschlands Apotheken. Das Ergebnis fiel negativ aus! Defizite wurden jedoch nicht im Service sondern in der fachlichen Qualität festgestellt. So wurden gefährliche Wechselwirkungen bei der Herausgabe bestimmter Medikamente, mit Ausnahme einer Apotheke, nicht festgestellt.

Als besonders “fatales” Beispiel führt die Stiftung Warentest ein Rezept mit Tamoxifen und Paroxetin an. Die Anwendung des bei Brustkrebs eingesetzten Arzneistoffs Tamoxifen in Kombination mit dem Antidepressivum Paroxetin kann drastische Folgen haben. Tamoxifen ist ein sogenanntes Prodrug, welches im Körper erst durch spezielle Enzyme zu aktiven Metaboliten (Abbauprodukte) umgewandelt werden muss, um das Krebszellwachstum zu hemmen. Der Abbau zu diesen antioströgen und zytostatisch wirksamen Metaboliten erfolgt im Wesentlichen über die Enzyme des Cytochrom P450-Systems. Das Enzym CYP2D6 nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Dieses Enzym kann durch einzelne Arzneistoffe, zu denen auch Paroxetin zählt, blockiert werden. Die Folge ist, dass die Wirksamkeit von Tamoxifen stark gemindert wird und der Therapieerfolg der Brustkrebsbehandlung gefährdet ist.

Aus diesem Grund ist die Kombination von Tamoxifen mit starken CYP2D6-Hemmern unbedingt zu vermeiden ist.

Beratungsinformationen zu Tamoxifen finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Ergebnis des Stiftung Warentest finden Sie hier: http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2014/04/24/apothekenberatung-eher-schlecht/12651/