Kategorie-Archiv: Arzneimittelrisiken

News Arzneimittelrisiken: Drug Safety Mail zu SGLT-2-Inhibitoren

Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin sind sog. SGLT-2-Inhibitoren, die den Natrium-Glukose-Cotransporter-2 in der Niere hemmen, wodurch die Glucose-Ausscheidung erhöht wird. Sie werden zur Blutzuckersenkung bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt.

Für Canagliflozin liegen Untersuchungen vor, in denen ein erhöhtes Amputationsrisiko der unteren Extremitäten unter Canagliflozin-Therapie beobachtet wurde. Canagliflozin ist in Deutschland nicht mehr im Handel. Ob dieses Risiko auch für die anderen SGLT-2-Inhibitoren konnte bisher nicht nachgewiesen werden, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Mehr Informationen zu Arzneimittelrisiken sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

Quelle: http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2017-07.html

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Ixekizumab (Taltz®)

Ixekizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17 (IL-17), der zur Behandlung der mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis,bei Erwachsenen angewendet wird.

Obwohl kinetische Wechselwirkungen bei monoklonalen Antikörpern selten sind, ist hier zu beachten, dass Immunmodulatoren, die z.B. das Interleukin-17 (IL-17) inhibieren, evtl. den Cytochrom P450-Stoffwechsel aktivieren können. Dies sollte v.a. bei CYP-Substraten mit geringer therapeutischer Breite beachtet werden.

Weiterhin sollte beachtet werden, dass die Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen nicht gewährleistet werden kann. Vorsicht ist außerdem wegen einer erhöhten Infektionsrate sowie möglicher Exazerbationen chronischer Darmerkrankungen geboten.

Mehr Informationen zu Ixekizumab und anderen Arzneistoffen sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

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Drug Safety Mail: Rhabdomyolyse nach Interaktion zwischen Simvastatin mit Amiodaron

In einer aktuellen Drug Safety Mail der AkdÄ vom Februar 2017 wird noch einmal vor einer klinisch relevanten Interaktion zwischen Amiodaron (200 mg/d) und Simvastatin (40 mg/d) gewarnt [1]. Die Patientin im angesprochenen Fallbericht entwickelte unter dieser Medikation eine Rhabdomyolyse und musste daraufhin 10 Tage stationär behandelt werden. Die Therapie wurde abgebrochen.

Ein Blick in die SCHOLZ Datenbank hätte die Interaktion wahrscheinlich verhindern können. Der Nutzer hätte hier nach Erkennen der Interaktion mit Hilfe des MDDI Calculators eine Dosisanpassung von Simvastatin vornehmen oder mit Hilfe des Optimierungssystems ein risikoärmeres, äquipotentes Statin auswählen können.

In der SCHOLZ Datenbank erscheint im Risikoanalyse-Bildschirm bei dieser Kombination eine rote Wechselwirkungsampel  (Relevanz gefährlich; Häufigkeit: sehr häufig) mit dem Hinweis, dass diese rote Ampel ab einer Tagesdosis von >20 mg gilt. Außerdem wird neben dem Simvastatin im Medikationsfenster ein orangefarbener DI-Button (DI = Drug Interaction) sichtbar, der auf die kinetische Interaktion hinweist (Abbildung oberer Teil).

Beim Blick ins Optimierungssystem wird auch sofort die Dosisabhängigkeit dieser Wechselwirkung anhand der Ampelfarbe deutlich (Abbildung mittlerer Teil) [2,3]. Hier hätte man nun auch die Möglichkeit ein risikoärmeres Statin mit gleicher Wirkstärke auszuwählen wie z.B. Rosuvastatin oder Pitavastatin. Fluvastatin und Pravastatin sind zwar in diesem Fall auch risikoärmer, allerdings erreicht man mit den im Handel befindlichen Stärken nicht die gleiche LDL-Senkung wie 40 mg/d Simvastatin [4].

Ein Blick in das MDDI-Protokoll der SCHOLZ Datenbank (Abbildung unten) zeigt außerdem, dass die Inhibition des Enzyms CYP3A4 durch Amiodaron die Ursache dieser Interaktion ist, was durchaus als bekannt vorausgesetzt werden kann. Darüber hinaus ist hier aber die Vorhersage des geschätzten Plasmaspiegelanstiegs auf 183 % interessant. Dies bedeutet, dass die Patientin durch die CYP3A4-Inhibition mit der Dosierung von 40mg/d wahrscheinlich einen ähnlichen Plasmaspiegel aufweist wie bei einer Gabe von 80mg/d Simvastatin. Die Gabe der 80 mg Simvastatin-Dosierung wird in Fachkreisen generell kritisch diskutiert [4]. Außerdem ist die Patientin in einem Alter, in dem das Risiko für eine Rhabdomyolyse ohnehin erhöht ist. Demnach hätte hier die Simvastatin-Dosis mit Beginn der Amiodaron-Gabe entsprechend des MDDI Protokolls um ca. 50% gesenkt werden müssen, oder – wie bereits oben diskutiert – das Statin durch ein risikoärmeres ersetzt werden müssen.

Mehr Informationen zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

Quellen

[1] Drug Safety Mail 2017-06 http://akdae.de/Arzneimittelsicherheit/DSM/Archiv/2017-06.html

[2] FI Zocor, Juni 2015

[3] https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm283137.htm

[4] https://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm256581.htm

Neue Funktionen in der SCHOLZ Datenbank

Die neuste Version der SCHOLZ Datenbank hält wieder tolle neue Features für ihre Nutzer bereit und kann ab dem 15.02.2017 wie gewohnt über unseren Downloadbereich heruntergeladen werden.

In dieser Version gibt es im Bereich der Medikamenteneingabe einen neuen Button mit dem Namen „Arzneimittelinformation“. Hier findet man neben den bekannten Funktionen „Fachinfo“ und „Dosierungsrechner“ auch 3 neue Funktionen:

  • Nebenwirkungen: Alle Nebenwirkungen eines ausgewählten Arzneimittels in tabellarischer Übersicht inkl. Relevanz und Häufigkeit auf einen Blick!
  • Kontraindikationen: Arzneimittelbezogene tabellarische Übersicht über alle Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen!
  • Gebrauchsinformation: Direkte Verlinkung auf die aktuelle Gebrauchsinformation des Arzneimittels in standardisierter Form über den Service „beipackzettel.de“ (weitere Info zu „beipackzettel.de“ unter http://scholz-datenbank.de/sites/beipackzettel)

Diese neue Version nicht mehr kompatibel mit dem Betriebssystem Windows XP.

Mehr Informationen diesen und anderen Funktionen der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Nutzen Sie die Möglichkeit und testen Sie die SCHOLZ Datenbank einen Monat lang kostenlos: http://www.scholz-datenbank.de/licenses/new?product_id=17

 

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Ixazomib (Ninlaro®)

Ein neuer Arzneistoff, der seit Mitte Januar in der SCHOLZ Datenbank zu finden ist, ist der Proteasom-Inhibitor Ixazomib. Dieser Stoff induziert in vitro die Apoptose verschiedener Tumorzellen und wird in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt.

Da Ixazomib über CYP3A4 verstoffwechselt wird, kann es natürlich mit einer Reihe von Arzneistoffen, die CYP3A4 hemmen oder induzieren, zu Wechselwirkungen kommen. Weiterhin müssen hämatologische und gastrointestinale Toxizitäten sowie das genaue Dosierungsschema beachtet werden.

Mehr Informationen dazu und zu vielen weiteren Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Reslizumab (Cinqaero®)

Reslizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-5 (IL-5), der seit Mitte Januar 2017 in der SCHOLZ Datenbank zu finden ist. Reslizumab wird ausschließlich intravenös verabreicht und ist indiziert als Zusatztherapie bei schwerem eosinophilem Asthma, welches trotz Kortikosteroidtherapie und einem weiteren Arzneimittel in der Erhaltungstherapie schwer zu kontrollieren ist.

Wie bei den meisten monoklonalen Antikörpern gibt es kaum Wechselwirkungen. Was hinsichtlich Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen zu beachten ist entnehmen Sie der aktuellen SCHOLZ Datenbank.

Mehr Informationen zu Reslizumab und anderen Arzneistoffen sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Obeticholsäure (Ocaliva®)

Seit Mitte Januar 2017 ist das Gallensäurederivat Obeticholsäure neu in die SCHOLZ Datenbank aufgenommen worden. Obeticholsäure stellt einen selektiven Agonisten am Farnesoid X-Rezeptor (FXR) dar und senkt die Leberexposition gegenüber Gallensäuren, indem die de-Novo-Synthese hemmt und den Transport von Gallensäuren erhöht. Obeticholsäure wird in Kombination mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) zur Therapie der primaren biliären Cholangitis bei Patienten angewendet, die UDCA alleine nicht tolerieren.

Im Bereich der Wechselwirkungen sollte v.a. auf zwei kinetische Interaktionen geachtet werden: Bei gleichzeitiger Gabe von Substanzen, die über CYP1A2 metabolisiert werden, kann es zu einer Erhöhung der Plasmaspiegel dieser Substanzen kommen. Weiterhin sollte natürlich ein Einnahmeabstand zu Gallensäure-bindenden Harzen wie z.B. Cholestyramin eingehalten werden.

Worauf im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) bzgl. Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen außerdem geachtet werden muss, erfahren Sie in der SCHOLZ Datenbank.

Mehr Informationen zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

SCHOLZ Datenbank Optimierungssystem bei Kontraindikationen

Im letzten Beitrag wurde das ATC-Code basierte Optimierungssystem der SCHOLZ Datenbank für die Optimierung einer Medikation bei Allergien vorgestellt. Neben der Risikominimierung bei Wechselwirkungen und Allergien kann das Optimierungssystem auch zur Risikominimierung bei Kontraindikationen benutzt werden.

Hat man z.B. einen Parkinson-Patienten, der das Neuroleptikum Haloperidol zur Behandlung von Halluzinationen bekommen soll, wird die Ampel für Kontraindikationen rot aufleuchten. Schaut man nun in das Optimierungssystem findet man in der Gruppe der Neuroleptika mehrere Arzneimittel, die hinsichtlich der Grunderkrankung des Patienten risikoärmer sind wie z.B. Clozapin.

Aber Vorsicht:

Halluzinationen können bei manchen Parkinson-Therapeutika auch als Nebenwirkung auftreten. Dies würde man über die Funktion „Symptomatische Nebenwirkungen“ herausfinden!

(Mehr zur Funktion „symptomatische Nebenwirkungen unter: http://news.eprax.de/?p=505, http://news.eprax.de/?m=201602)

Deshalb wäre der erste Schritt zur Therapieoptimierung, die verdächtige Parkinson-Medikation in ihrer Dosis zu reduzieren, um die mögliche Nebenwirkung zu reduzieren. Wenn dies nicht weiterhilft, würde evtl. ein Neuroleptikum zum Einsatz kommen.

Mehr Informationen dieser und anderer Funktionen der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Update zur Interaktion zwischen Clindamycin und Rifampicin

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arzneimitteltherapie (2016;34;84-6) wird über eine potentielle Wechselwirkung zwischen Clindamycin und Rifampicin berichtet, die in wenigen Interaktionsdatenbanken zu finden ist. In der SCHOLZ Datenbank wurde bereits vor dem Artikel auf das Thema hingewiesen. Dank des Artikels konnte die Risikoeinstufung noch optimiert werden.

Das Antibiotikum Rifampicin ist bekanntlich ein starker Induktor diverser Cytochrom P450 Enzyme, unter anderem von CYP3A4. Nicht so bekannt hingegen ist, dass das Antibiotikum Clindamycin über CYP3A4 verstoffwechselt wird. Die beiden Antibiotika werden z.B. bei Knochen- und Weichteilinfektionen kombiniert.

In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Plasmaspiegel von Clindamycin bei gleichzeitiger Rifampicin-Therapie deutlich vermindert waren. Es wurde weiterhin festgestellt, dass sich bei oraler Gabe eine stärkere Verminderung der Plasmaspiegel zeigte als bei intravenöser Gabe. Bei oraler Applikation von Clindamycin wurden Clindamycin-Konzentrationen unter der minimalen Hemm-Konzentration (MHK) dieses Antibiotikums gemessen.

Der zusammenfassende Bericht in der Zeitschrift Arzneimitteltherapie führte zu einer neuen Einstufung dieser Interaktion in der SCHOLZ Datenbank und zwar mit der Klassifizierung “bedeutsam/wahrscheinlich” bei oral verabreichtem und “bedeutsam/möglich” bei parenteral verabreichtem Clindamycin. Das heißt, dass eine klinisch relevante Minderung (“bedeutsame”)  der Clindamycin-Wirkung durch Rifampicin und seinen Induktionseffekt in Darm und Leber aufgrund der bekannten kinetischen Eigenschaften von Substrat und Induktor und der gemessenen in-vivo-Daten insbesondere bei oraler Gabe zu erwarten ist und dann ein Beitrag zur Wirksamkeit äußerst fraglich ist. Eine Dosiserhöhung bei oralem Clindamycin ist möglicherweise mit einem erhöhten gastrointestinalen Risiko verbunden (pseudomembranöse Colitis), so dass die parenterale Applikation ggf. vorzuziehen ist.

Mehr Information zu dieser Wechselwirkung und anderen Arzneimittelrisiken in der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Neujahrsgrüße, Rote-Hand-Brief und zwei neue Kombinationsarzneimittel

Das Team der SCHOLZ Datenbank wünscht allen Kooperationspartnern, Kunden und Blog-Lesern ein frohes neues Jahr und viel Erfolg für 2016!

Das Jahr 2016 beginnt mit einem Rote-Hand-Brief und zwei neuen Kombinationsarzneimitteln. Zu Anfang Januar gab es direkt einen Rote-Hand-Brief bzgl. des Risikos für schwere Leberfunktionsstörungen unter der Behandlung mit dem Präparat Viekirax®. [1]

Viekirax® ist ein Kombinationsarzneimittel mit den Wirkstoffen Ombitasvir, Paritaprevir, Ritonavir, welches zur Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Erwachsenen zusammen mit oder ohne Exviera® (Dasabuvir) angewendet wird. Es wurden 26 Fälle von Leberdekompensation und Leberversagen im Zusammenhang mit Viekirax® berichtet, die in 10 Fällen zum Tod bzw. zur Notwenigkeit einer Lebertransplantation führten. Die meisten Patienten wiesen bereits vor Therapiebeginn Anzeichen einer Zirrhose (fortgeschritten oder dekompensiert) auf.

Daraus resultieren folgende Maßnahmen: Viekirax® wird bei Patienten mit mittelschweren Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh-Grad B) nicht empfohlen; bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Grad C) ist Viekirax® kontraindiziert. Patienten mit Zirrhose sollten besonders hinsichtlich klinischer Anzeichen einer Leberdekompensation überwacht werden.

Weiterhin gibt es ab Januar zwei neue Kombinationsarzneimittel, über deren Risikoprofil wir im nächsten Blog berichten werden.

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

[1] http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/RHB/Archiv/2016/20160104.pdf