Kategorie-Archiv: Wechselwirkungen von Medikamenten

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Ixekizumab (Taltz®)

Ixekizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17 (IL-17), der zur Behandlung der mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis,bei Erwachsenen angewendet wird.

Obwohl kinetische Wechselwirkungen bei monoklonalen Antikörpern selten sind, ist hier zu beachten, dass Immunmodulatoren, die z.B. das Interleukin-17 (IL-17) inhibieren, evtl. den Cytochrom P450-Stoffwechsel aktivieren können. Dies sollte v.a. bei CYP-Substraten mit geringer therapeutischer Breite beachtet werden.

Weiterhin sollte beachtet werden, dass die Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen nicht gewährleistet werden kann. Vorsicht ist außerdem wegen einer erhöhten Infektionsrate sowie möglicher Exazerbationen chronischer Darmerkrankungen geboten.

Mehr Informationen zu Ixekizumab und anderen Arzneistoffen sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Ixazomib (Ninlaro®)

Ein neuer Arzneistoff, der seit Mitte Januar in der SCHOLZ Datenbank zu finden ist, ist der Proteasom-Inhibitor Ixazomib. Dieser Stoff induziert in vitro die Apoptose verschiedener Tumorzellen und wird in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt.

Da Ixazomib über CYP3A4 verstoffwechselt wird, kann es natürlich mit einer Reihe von Arzneistoffen, die CYP3A4 hemmen oder induzieren, zu Wechselwirkungen kommen. Weiterhin müssen hämatologische und gastrointestinale Toxizitäten sowie das genaue Dosierungsschema beachtet werden.

Mehr Informationen dazu und zu vielen weiteren Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Reslizumab (Cinqaero®)

Reslizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-5 (IL-5), der seit Mitte Januar 2017 in der SCHOLZ Datenbank zu finden ist. Reslizumab wird ausschließlich intravenös verabreicht und ist indiziert als Zusatztherapie bei schwerem eosinophilem Asthma, welches trotz Kortikosteroidtherapie und einem weiteren Arzneimittel in der Erhaltungstherapie schwer zu kontrollieren ist.

Wie bei den meisten monoklonalen Antikörpern gibt es kaum Wechselwirkungen. Was hinsichtlich Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen zu beachten ist entnehmen Sie der aktuellen SCHOLZ Datenbank.

Mehr Informationen zu Reslizumab und anderen Arzneistoffen sowie zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

NEU in der SCHOLZ Datenbank: Obeticholsäure (Ocaliva®)

Seit Mitte Januar 2017 ist das Gallensäurederivat Obeticholsäure neu in die SCHOLZ Datenbank aufgenommen worden. Obeticholsäure stellt einen selektiven Agonisten am Farnesoid X-Rezeptor (FXR) dar und senkt die Leberexposition gegenüber Gallensäuren, indem die de-Novo-Synthese hemmt und den Transport von Gallensäuren erhöht. Obeticholsäure wird in Kombination mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) zur Therapie der primaren biliären Cholangitis bei Patienten angewendet, die UDCA alleine nicht tolerieren.

Im Bereich der Wechselwirkungen sollte v.a. auf zwei kinetische Interaktionen geachtet werden: Bei gleichzeitiger Gabe von Substanzen, die über CYP1A2 metabolisiert werden, kann es zu einer Erhöhung der Plasmaspiegel dieser Substanzen kommen. Weiterhin sollte natürlich ein Einnahmeabstand zu Gallensäure-bindenden Harzen wie z.B. Cholestyramin eingehalten werden.

Worauf im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) bzgl. Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen außerdem geachtet werden muss, erfahren Sie in der SCHOLZ Datenbank.

Mehr Informationen zur SCHOLZ Datenbank finden Sie unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Neuer Wirkstoff in der SCHOLZ Datenbank: Ospemifen, ein selektiver Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM)

Ospemifen (Senshio®) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulatoren. Er wird bei postmenopausalen Frauen zur Therapie der vulvovaginalen Atrophie eingesetzt.

Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sollte u.a. beachtet werden, dass generell bei einer Therapie mit selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulatoren die Gefahr von venösen thromboembolischen Ereignissen (VTE) erhöht ist.

Auch pharmakokinetische Wechselwirkungen sind im Bezug auf Ospemifen zu berücksichtigen. Ospemifen ist ein Substrat der Cytochrom P450-Enzyme CYP2C9, CYP2C19 und CYP3A4. Mit Inhibitoren dieser Enzyme, insbesondere wenn mehrere Enzyme gleichzeitig gehemmt werden, wie bei gleichzeitiger Anwendung mit Fluconazol, ist Vorsicht geboten.

Mehr Informationen zu Ospemifen und damit verbundenen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Update zur Interaktion zwischen Clindamycin und Rifampicin

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arzneimitteltherapie (2016;34;84-6) wird über eine potentielle Wechselwirkung zwischen Clindamycin und Rifampicin berichtet, die in wenigen Interaktionsdatenbanken zu finden ist. In der SCHOLZ Datenbank wurde bereits vor dem Artikel auf das Thema hingewiesen. Dank des Artikels konnte die Risikoeinstufung noch optimiert werden.

Das Antibiotikum Rifampicin ist bekanntlich ein starker Induktor diverser Cytochrom P450 Enzyme, unter anderem von CYP3A4. Nicht so bekannt hingegen ist, dass das Antibiotikum Clindamycin über CYP3A4 verstoffwechselt wird. Die beiden Antibiotika werden z.B. bei Knochen- und Weichteilinfektionen kombiniert.

In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Plasmaspiegel von Clindamycin bei gleichzeitiger Rifampicin-Therapie deutlich vermindert waren. Es wurde weiterhin festgestellt, dass sich bei oraler Gabe eine stärkere Verminderung der Plasmaspiegel zeigte als bei intravenöser Gabe. Bei oraler Applikation von Clindamycin wurden Clindamycin-Konzentrationen unter der minimalen Hemm-Konzentration (MHK) dieses Antibiotikums gemessen.

Der zusammenfassende Bericht in der Zeitschrift Arzneimitteltherapie führte zu einer neuen Einstufung dieser Interaktion in der SCHOLZ Datenbank und zwar mit der Klassifizierung “bedeutsam/wahrscheinlich” bei oral verabreichtem und “bedeutsam/möglich” bei parenteral verabreichtem Clindamycin. Das heißt, dass eine klinisch relevante Minderung (“bedeutsame”)  der Clindamycin-Wirkung durch Rifampicin und seinen Induktionseffekt in Darm und Leber aufgrund der bekannten kinetischen Eigenschaften von Substrat und Induktor und der gemessenen in-vivo-Daten insbesondere bei oraler Gabe zu erwarten ist und dann ein Beitrag zur Wirksamkeit äußerst fraglich ist. Eine Dosiserhöhung bei oralem Clindamycin ist möglicherweise mit einem erhöhten gastrointestinalen Risiko verbunden (pseudomembranöse Colitis), so dass die parenterale Applikation ggf. vorzuziehen ist.

Mehr Information zu dieser Wechselwirkung und anderen Arzneimittelrisiken in der SCHOLZ Datenbank finden Sie via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Neu in der SCHOLZ Datenbank: Das Antiepileptikum Brivaracetam

Mit Brivaracetam (Briviact®) kommt im Februar ein neues Antiepileptikum in den Handel. Wie sein chemischer Verwandter Levetiracetam ist Brivaracetam ein Ligand am synaptischen Vesikelprotein 2A (SV2A). Brivaracetam weist eine höhere Affinität zu SV2A auf als Levetiracetam. SV2A moduliert u.a. die Freisetzung von Neurotransmittern wie z.B. GABA. Die genaue Rolle dieses Proteins muss allerdings noch geklärt werden. Weiterhin kann auch eine Hemmung von Natriumkanälen zur Bindung beitragen.

Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sollte beachtet werden, dass Alkohol die Wirkung von Brivaracetam auf Psychomotorik, Aufmerksamkeit und Gedächtnis verdoppeln kann.

Das Risiko von kinetischen Interaktionen ist generell eher gering. Brivaracetam wird hauptsächlich durch CYP-unbhängige Hydrolyse metabolisiert und nur zu einem geringeren Anteil über eine CYP2C19-abhängige Hydroxylierung. Somit ist eine Interaktion mit CYP2C19-Inhibitoren oder -Induktoren möglich, aber das Ausmaß der Interaktion wird in den meisten Fällen als klinisch nicht relevant betrachtet. Lediglich mit den starken CYP-Induktoren Rifampicin und Johanniskraut ist Vorsicht geboten. Starke CYP2C19-Inhibitoren wie z.B. Fluconazol und Fluvoxamin können den Plasmaspiegel von Brivaracetam erhöhen. Weiterhin ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Gabe von CYP2B6- oder OAT3-Substraten mit geringer therapeutischer Breite.

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen, Nebenwirkungen oder Kontraindikationen dieses Arzneimittels finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

[1] Brivaracetam (UCB 34714); von Rosenstiel; Neurotherapeutics.2007; Jan;4(1):84-7.

[2] Profile of brivaracetam and its potential in the treatment of epilepsy. Ferlazzo et al.; Neuropsychiatr. Dis Treat. 2015 Nov 30;11: 2967-73.

[3] Fachinformation Briviact®, 2016

News: Arzneimittelrisiken – Rote Hand Brief zu Crizotinib

Während der Therapie mit Crizotinib (Xalkori®), einem Inhibitor der ALK-Tyrosinkinase (ALK = anaplastic lymphoma kinase), wurden schwere, sogar tödlich verlaufende Fälle, von Herzinsuffizienz beobachtet [1]. Crizotinib wird angewendet zur Therapie des ALK-positiven nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms.

Die Herzinsuffizienz trat sowohl bei Patienten mit als auch ohne vorbestehende Herzerkrankungen auf. 1,1% der Patienten zeigten im Rahmen von klinischen Studien (n = 1669) eine Herzinsuffizienz jeglicher Schweregrade. Seit Inverkehrbringen von Crizotinib haben ca. 14.700 Patienten das Medikament erhalten. Bei 40 Patienten wurde über eine Herzinsuffizienz berichtet, die meist im ersten Behandlungsmonat auftrat. Davon endeten 15 Fälle tödlich.

Die Patienten sollten während der Behandlung mit Crizotinib auf Symptome einer Herzinsuffizienz wie z.B. Ödeme, Dyspnoe oder Gewichtszunahme überwacht werden. Falls diese Symptome auftreten, kann eine Reduktion der Dosis oder das Beenden der Crizotinib-Therapie notwendig sein. Die Fachinformation wird hinsichtlich dieser Informationen ergänzt.

Für den Arzt oder Apotheker ist es im Rahmen der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) auch wichtig zu wissen, dass Crizotinib auch andere schwere Nebenwirkungen am Herzen verursachen kann wie z.B. eine QT-Zeit-Verlängerung und Bradykardie. Somit kann es zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln kommen, die ebenfalls eine QT-Zeit-Verlängerung oder Bradykardien auslösen können.

 

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

 

[1] http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/RHB/Archiv/2015/20151013.pdf

[2] Fachinformation Xalkori, Pfizer, April 2015

Neue Wirkstoffkombination in der SCHOLZ Datenbank: Mit Netupitant und Palonosetron gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie

Akynzeo® heißt das neue Präparat, welches die beiden Wirkstoffe Palonosetron und Netupitant enthält und zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen aufgrund einer Chemotherapie eingesetzt wird.

Palonosetron ist ein bekannter Wirkstoff aus der Reihe der 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten (Setrone). Bei Netupitant handelt es sich um einen neuen Wirkstoff, der als selektiver Antagonist am Neurokinin-1-Rezeptor wirkt. Diese Kombination ist sowohl gegen die frühe, als auch gegen die verzögerte Phase von Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie wirksam.

Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) müssen Anwendungs-beschränkungen und Kontraindikationen wie z.B. terminale Niereninsuffizienz, eingeschränkte Leberfunktion oder Schwangerschaft beachtet werden.

Für Palonosetron sind hauptsächlich pharmakodynamische Wechselwirkungen zu beachten: Palonosetron kann, wie andere Setrone auch, in Kombination mit serotonergen Arzneimitteln zu einem Serotonin-Syndrom führen. Weiterhin muss hier eine mögliche Verlängerung des QT-Intervalls berücksichtigt werden.

Bei Netupitant hingegen müssen pharmakokinetische Wechselwirkungen beachtet werden. Netupitant wird hauptsächlich über CYP3A4 und in geringerem Ausmaß auch über CYP2C9 und CYP2D6 verstoffwechselt. Ein Metabolit von Netupitant ist ein moderater CYP3A4-Inhibitor. Netupitant selbst ist ein Inhibitor der Efflux-Transporter P-gp (P-Glycoprotein) und BCRP (breast cancer restistance protein). Ein Netupitant-Metabolit ist ein Substrat von P-gp.

Somit ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Netupitant und CYP3A4-Substraten mit geringer therapeutischer Breite, insbesondere auch bei gleichzeitig angewendeten Zytostatika, die CYP3A4-Substrate darstellen. Wechselwirkungen mit P-gp_Substraten sind unwahrscheinlich, da bei gleichzeitiger Anwendung von Digoxin, einem P-gp-Susbtrat mit geringer therapeutischer Breite, keine phamakokinetischen Auswirkungen beobachtet wurden.

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.

Neu in der SCHOLZ Datenbank: Nivolumab – ein kurzer Überblick über Interaktionen und Nebenwirkungen

Nivolumab ist im Juli unter dem Handelnamen OPDIVO® in den Handel gekommen. Es ist ein neuer monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms eingesetzt wird. Mittlerweile erhielt Nivolumab auch die Zulassung zur Behandlung von Lungenkrebs.

 Nivolumab wirkt, indem es an den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen bindet und die Bindung der natürlichen Liganden PD-L1 und PD-L2 verhindert. PD-L1 und PD-L2 werden von antigenpräsentierenden Zellen oder Tumorzellen exprimiert und hemmen die T-Zellproliferation. Durch die Verhinderung der Bindung von PD-L1 und PD-L2 an den PD-1-Rezeptor wird letztendlich die T-Zellreaktion einschließlich der Tumorabwehr verstärkt.

Unter Gesichtspunkten der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) muss unter einer Nivolumab-Therapie vor allem das Risiko immunvermittelter schwerer Nebenwirkungen wie z.B. immunvermittelte Pneumonitis, Hepatitis oder Nephrits berücksichtigt werden. Diese müssen sofort – z.B. mit einer systemische Glucocorticoid-Therapie – behandelt werden. Für die Dauer der Therapie wird die Behandlung mit Nivolumab ausgesetzt. Sie kann nach Ausschleichen der Corticoid-Therapie weitergeführt werden. Nur bei sehr starken Ausprägungen dieser immunvermittelten Nebenwirkungen sollte Nivolumab abgesetzt werden.

Bei Kombination von Nivolumab mit Immunsuppressiva oder mit systemischen Glucocorticoiden in immunsuppressiver Dosierung kann die Wirkung von Nivolumab möglicherweise abgeschwächt werden. Das Risiko für eine Wirkungsminderung ist am größten, wenn schon vor der Nivolumab-Therapie eine immunsuppressive Therapie vorgenommen wurde.

 

Mehr Information zu diesen und anderen Arzneimittelrisiken finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.