Revival: Fenfluramin – vom Anorektikum zum Antiepileptikum

26. Januar 2021 Aus Von root_g3o5m730

Früher waren die Wirkstoffe Fenfluramin und das Eutomer Dexfenfluramin als Anorektika im Handel, bis sie im Jahr 1997 aufgrund von Herzklappenschäden und pulmonaler Hypertonie vom Markt genommen wurden.

Fenfluramin erlebt aktuell ein Revival als Antiepileptikum, das zusätzlich zu einer Therapie mit weiteren Antiepileptika bei Patienten ab 2 Jahren zur Behandlung des Dravet-Syndroms eingesetzt wird. Die Dosierungen sind in dieser Indikation viel niedriger als in der damaligen Anwendung als Anorektikum. Somit ist das Risiko für die damals bekannt gewordenen schwerwiegenden Nebenwirkungen viel geringer. Dennoch muss während der antiepileptischen Therapie ein echokardiografisches Monitoring erfolgen.

In vitro Studien weisen darauf hin, dass Fenfluramin von CYP1A2, CYP2B6 und CYP2D6 metabolisiert wird. Starke Induktoren dieser Enzyme können den Plasmaspiegel von Fenfluramin und ggf. dessen Wirkung vermindern. Das Antiepileptikum Stiripentol, ein schwacher Inhibitor von CYP1A2 und CYP2D6, kann die AUC von Fenfluramin erhöhen. Die Dosis ist nach genauen Empfehlungen der Fachinformation anzupassen.  

Zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der Patienten ist es wichtig, dass Ärzte und Apotheker sich mit den verbleibenden Arzneimittelrisiken auskennen:

Da Fenfluramin die Serotonin-Freisetzung erhöht und dadurch mehrere 5-HT-Rezeptor-Subtypen wie z.B. den 5-HT1D, 5-HT2A und 5-HT2C sowie Sigma-1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem stimuliert, kann es in Kombination mit Inhibitoren der Monoaminoxidase (MAO) und stark serotonergen Arzneimitteln wie z.B. SSRI (selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren), SNRI (selektive Serotonin-/Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren) oder bestimmten TZA (trizyklischen Antidepressiva) zu einem Serotonin-Syndrom kommen. MAO-Inhibitoren sind kontraindiziert. Es ist ein Einnahmeabstand von 14 Tagen einzuhalten.

Des Weiteren werden in Kombination mit Alkohol und zentraldämpfenden Substanzen die zentraldämpfenden Effekte wie z.B. Somnolenz, Lethargie und Ermüdung verstärkt. Hier ist Vorsicht angezeigt v.a. da es sehr häufig zu Stürzen kommen und die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr eingeschränkt sein kann.

In vitro wurde außerdem eine Hemmung von CYP2D6 durch Fenfluramin sowie eine Hemmung von des Transportproteins MATE1 durch den aktiven Metaboliten Norfenfluramin sowie eine Induktion von CYP2B6 und intestinalem CYP3A4 nachgewiesen. Bei den entsprechenden Substraten kann es möglichweise zu Plasmaspiegelerhöhungen/-verminderungen kommen.

Mehr Information zu Fenfluramin und den damit verbundenen Arzneimittelrisiken finden Sie ab dem 01.02.2021 in der SCHOLZ Datenbank (www.scholz-datenbank.de)