Risiko-Update: Hydroxychloroquin (und Chloroquin)

2. Dezember 2020 Aus Von root_g3o5m730

Hydroxychloroquin kam schon im April 2020 kurz nach Beginn der COVID-19 Pandemie als potentielle Therapieoption ins Gespräch. Neben dem Hype um Hydroxychloroquin im Kampf gegen COVID-19 musste jedoch immer wieder auf bestimmte Risiken dieses Arzneimittels hingewiesen werden, auch wenn die meisten hinlänglich bekannt waren. Hydroxychloroquin ist nur zur Therapie von Autoimmunerkrankungen wie z.B. rheumatoide Arthritis und Lupus erythematodes sowie zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria zugelassen. Bei COVID-19 wurde es „off-label“ eingesetzt. Die zugelassenen Dosierungen wurden dabei teilweise überschritten. Somit verwundert es kaum, dass über Zwischenfälle mit schweren Nebenwirkungen berichtet wurde. Ein Wirksamkeitsnachweis bei COVID-19 konnte in klinischen Studien bisher nicht erbracht werden.   

So wurde z.B. bereits im April und Juni 2020 aufgrund von Zwischenfällen nochmal auf das Risiko kardialer Nebenwirkungen von Hydroxychloroquin hingewiesen. Hydroxychloroquin kann das QT-Intervall verlängern und somit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen von Typ Torsade de Pointes auslösen. Besonders in hoher Dosierung, bei Elektrolytstörungen, alten und/oder weiblichen Patienten kann das Arzneimittel gefährlich sein. Auf eine EKG-Kontrolle sollte im Sinne der Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) der Patienten vor und während des Einsatzes von Hydroxychloroquin somit nicht verzichtet werden.

Eine Studie zeigte ein erhöhtes Risiko für kardiale Nebenwirkungen und sogar eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität bei gleichzeitiger Anwendung mit Azithromycin, was ebenfalls ein hohes Risiko einer QT-Zeit-Verlängerung mit sich bringt.

Weitere bereits bekannte Nebenwirkungen sind potenziell Störungen der Leber- und Nierenfunktion, Nervenzellschäden, die zu epileptischen Anfällen führen können, sowie Hypoglykämien.

Des Weiteren wurde in der Risikoinformation des BfArM von Juni 2020 aufgrund von sechs Fallmeldungen psychiatrischer Nebenwirkungen unter hoher Dosierung nochmal explizit auf neuropsychiatrische Störungen wie Erregung, Schlaflosigkeit, Verwirrung, Psychose und Selbstmordgedanken hingewiesen. Nach einer aktuellen Meldung empfiehlt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) auf Basis einer Datenüberprüfung bzgl. des Risikos psychiatrischer Störungen und suizidalem Verhalten unter Hydroxychloroquin, die Produktinformationen für Hydroxychloroquin- und Chloroquin-haltige Arzneimittel zu aktualisieren. Patienten sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn unter einer Therapie mit Hydroxychloroquin psychiatrische Symptome auftreten.

Die Risikoinformationen werden unter Beobachtung aktueller Risikomeldungen in der SCHOLZ Datenbank regelmäßig überprüft und ggf. aktualisiert.  

Mehr Informationen zu Arzneimittelrisiken von Hydroxychloroquin und Chloroquin sowie anderen Wirkstoffen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank. Informieren Sie sich unter www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de und fordern Sie eine kostenlose Demo-Version an.

Quellen:

  • Hydroxychloroquin: Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bei Anwendung zur Behandlung von COVID-19, BfArM, 29.04.2020
  • Hydroxychloroquin: Erneute Warnung vor Risiken bei Anwendung zur Behandlung von COVID-19, BfArM,, 02.06.2020
  • Hydroxychloroquin und Chloroquin: Psychiatrische Störungen, BfArM, 27.11.202