SCHOLZ Datenbank – Arzneimittelinformationen im Hinblick auf COVID-19

23. März 2020 Aus Von root_g3o5m730

Das Team der SCHOLZ Datenbank bereitet stets aktuelle Arzneimittelinformationen für Ihre Anwender auf. Wir verfolgen für unsere User selbstverständlich sowohl die aktuellen Risikomeldungen zu Arzneistoffen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 als auch Berichte über die Erforschung möglicher Therapien einer COVID-19-Erkrankung.

Zusammenfassung: Ibuprofen, COVID-19 und SCHOLZ Datenbank

Das große Thema der vergangenen Woche war die Behauptung, dass Ibuprofen und andere NSAR möglicherweise zu schweren Verläufen einer COVID-19-Erkrankung führen könnten. Durch Fake-News, die am 14.03.2020 über eine Sprachnachricht per „WhatsApp“ verbreitet wurden und eine nachfolgende Warnung der WHO zur Ibuprofen Einnahme bei einer COVID-19-Infektion (18.03.2020), die kurze Zeit später wieder zurückgenommen wurde (19.03.2020), gab es eine große Verunsicherung in der Bevölkerung – sowohl bei medizinischen Laien als auch in der medizinischen Fachwelt [1, 2]. Deutsche Behörden sowie deutsche Virologen sehen bisher keine Evidenz für diese Annahme. [3]

Es gibt keine systematischen klinischen Untersuchungen, die bestätigen würden, dass Ibuprofen zu einer Verschlimmerung des Krankheitsverlaufs von COVID-19 führen könnte. Doch wie kommt es zu den Vermutungen?

  • In einer Publikation im Lancet (05.03.2020) wird Ibuprofen im Zusammenhang mit einer vermehrten Expression des ACE-2-Rezeptors, über den das Virus an die Zelloberfläche bindet, genannt [4]. Eine erhöhte Expression von ACE2 könnte möglicherweise eine SARS-CoV-2-Infektion triggern [5]. Ob dies für Ibuprofen tatsächlich klinisch relevant ist, ist bisher nicht nachgewiesen.
  • Des Weiteren wurden die gerinnungshemmenden Wirkungen von NSAR in einigen Berichten für die angeblich krankheitsverschlimmernde Wirkung verantwortlich gemacht. Auch hierfür gibt es keine Evidenz. [6]
  • Die französische Behörde für Arzneimittelsicherheit (ANSM) wies bereits im April 2019 darauf hin, dass es womöglich einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Ibu- und Ketoprofen und schwerwiegenden Komplikationen bei Infektionskrankheiten mit Streptokokken und Pneumokokken bei Kindern und jungen Erwachsenen gebe. Daraufhin wurde empfohlen, Paracetamol bei Fieber und Schmerzen im Zusammenhang mit Infektionen zu bevorzugen. Bei der Verordnung und Einnahme von NSAR bei Fieber und Schmerzen sollte unbedingt die geringste wirksame Dosis eingesetzt werden sowie der begrenzte Anwendungszeitraum beachtet werden. [7]
  • Im Zusammenhang mit Varizellen-Infektionen weist die Ibuprofen-Fachinformation außerdem auf die seltene Möglichkeit einer Verschlimmerung der Infektion sowie Komplikationen wie schwere Haut- und Weichteilinfektionen durch Ibuprofen und andere NSAR hin. Daher gilt die Empfehlung NSAR bei Varizellen-Infektionen zu vermeiden. [8]

Die SCHOLZ Datenbank weist im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Ibuprofen generell auf die Möglichkeit hin, dass es zu einer Maskierung der Symptome von Infektionen und Fieber sowie sehr selten zu einer Verschlimmerung infektiösen Entzündungen, insbesondere auch Varizellen-Infektionen, kommen kann. Daraus resultiert auch die Warnung, dass NSAR generell bei Infektionskrankheiten mit Vorsicht angewendet werden sollen. Diese Hinweise sind schon seit längerer Zeit in den entsprechenden Fachinformationen enthalten [6].

Auch wenn es keine Evidenz für eine Verschlimmerung einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch Ibuprofen und andere NSAR gibt, sollte immer – sowohl während der ärztlichen Anamnese als auch in der Beratung im Handverkauf in der Apotheke – an die generelle Möglichkeit der Symptommaskierung bei Infektionskrankheiten gedacht werden. Dies gilt für COVID-19 ebenso wie für andere Infektionskrankheiten.

Im nächsten Blog lesen Sie mehr zu möglichen Therapien bei COVID-19 und den dabei zu beachtenden Interaktionsrisiken.

Quellen:

[1] Kann man Ibuprofen noch empfehlen? Daniela Hüttemann, Pharmazeutische Zeitung, 17.03.2020

[2] WHO rudert zurück, dpa, Pharmazeutische Zeitung, 17.03.2020

[3] Drosten: Kein Hinweis, dass Ibuprofen Coronavirus-Erkrankungen verschlechtert, Deutsche Apotheker Zeitung, 17.03.2020

[4] Are patients with hypertension and diabetes mellitus at increased risk for COVID-19 infection? Fank L, Karakiulakis G, Roth M; The Lancet, Respir Med, March 11, 2020

[5] COVID-19 and the cardiovascular system; Zheng Y-Y, Ma Y-T, Zhang J-Y, Xie X; Nature reviews cardiology, March 05, 2020

[6] Dingermann erklärt möglichen Zusammenhang, Annette Mende, Pharmazeutische Zeitung, 17.03.2020

[7] Anti-inflammatoires non stéroïdiens (AINS) et complications infectieuses graves – Point d’Information, Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé; 19.04.2019

[8] Fachinformation Ibuprofen ABZ 600 mg/ 800 mg, 11/2019