Johanniskraut-Präparate- Neues aus dem Stufenplanverfahren

19. Juni 2015 Aus Von admin

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist ein bekannter und potenter Induktor von Cytochrom P450-Enzymen. Im Beipackzettel zahlreicher Arzneimittel wird vor der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut-Präparaten gewarnt. Vor allem Wirkstoffe, die über das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt werden und eine geringe therapeutische Breite aufweisen, sollten nicht mit Johanniskraut kombiniert werden. Die Inhaltsstoffe von Johanniskraut können Cytochrom P450-Enyzmsysteme induzieren und beschleunigen so den Abbau dieser Wirkstoffe. Die Folge sind verringerte Plasmaspiegel, die zu einem Verlust der Wirkung des jeweiligen Arzneimittels führen können. Weiterhin kann der Efflux-Transporter P-Glycoprotein (P-gp) durch Johanneskraut induziert werden, was ebenfalls zu verminderten Plasmaspiegeln von Substanzen führen kann, die Substrate des P-gp darstellen.

Auch wenn man Johanniskraut im ersten Moment meist mit kinetischen Interaktionen assoziiert, sollte man daran denken, dass bei gleichzeitiger Anwendung anderer Antidepressiva, die vor allem auf das Serotoninsystem wirken, die Gefahr eines Serotoninsyndroms erhöht wird.

Im Jahr 2005 wurden in einem Bescheid des BfArM differenzierte Darstellungen von Interaktionen, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen in den Produktinformationen von Johanniskraut-Präparaten gefordert. Gegen diesen Bescheid wurde seitens der pharmazeutischen Hersteller Widerspruch eingelegt. Nun geht es darum, dass von der Forderung zur Änderung der Produktinformation im ursprünglichen BfArM-Bescheid niedrig dosierte Johanniskrautpräparate mit einer Tagesdosis unter 1 g Drogenäquivalent oder 1 mg Hyperforin ausgenommen sind. Die Produktinformationen nicht ausgenommener Präparate müssen ab dem 01.12.2016 die geforderten Änderungen enthalten. Dabei geht es z.B. um Wechselwirkungen mit einigen Immunsuppressiva, Zytostatika, HIV-Therapeutika, Antikoagulantien, hormonelle orale Kontrazeptiva oder auch weitere Antidepressiva.

Mehr Information zu diesen und anderen Wechselwirkungen finden Sie in der SCHOLZ Datenbank via www.scholz-datenbank.de bzw. www.eprax.de.