Genetischer Polymorphismus: In manchen Fällen therapierelevant. Die SCHOLZ Datenbank gibt Warnhinweise beim Vorliegen dosis- und interaktionsrelevanter Polymorphismen!

15. September 2014 Aus Von admin

Genetische Polymorphismen spielen bei Arzneimitteln eine Rolle, die insbesondere über CYP2D6, aber auch CYP2C9 oder CYP2C19, abgebaut werden. Ca. 40 Millionen Europäer weisen einen genetischen Polymorphismus am CYP2D6 auf. 1 Das entspricht ca. 8 % der in Europa lebenden Bevölkerung. Etwa 25% der Arzneimittel sind bei ihrem Metabolismus mehr oder weniger ausgeprägt von CYP2D6 abhängig.1 Für schätzungsweise 2% der Patienten mit Arzneimitteltherapie könnte aufgrund dieser Problematik eine Dosisanpassung angezeigt sein. Das heißt bei Enzymdefekt brauchen intermediate oder poor metabolizer (IM/PM) wegen der langsameren Metabolisierung eine niedrigere Dosierung. Bei Enzymmehrausstattung (ultrarapid metabolizer/UM) muss dementsprechend eine höhere Dosierung gewählt werden. Wenn das betroffene Arzneimittel ein Prodrug ist, besteht beim poor meabolizer die Gefahr des Therapieversagens, beim ultrarapid metabolizer hingegen das Risiko vermehrter Nebenwirkungen.

In der SCHOLZ Datenbank sind die betroffenen Arzneimittel, z.B. Betablocker wie Metoprolol oder Psychopharmaka wie Imipramin, Amitriptylin, Aripiprazol u.a. mit entsprechenden Warnhinweisen markiert. Der Anwender wird durch eine gelb leuchtende Dosierungsampel auf die Problematik aufmerksam gemacht. Bei Interaktionen, bei denen der Polymorphismus einen Einfluss haben kann, werden ebenfalls ggf. Dosierungshinweise angezeigt.

Auch wenn eine klinische Relevanz des Polymorphismus nur bei einem geringen Teil der Patienten von Bedeutung ist, sollte insbesondere bei Nebenwirkungen oder Therapieversagern an eine solche Ursache gedacht werden und ggf. der genetische Status ermittelt und eine adäquate Dosisanpassung vorgenommen oder eine Alternativmedikation ausgewählt werden.

Quelle: Ingelmann-Sundberg; M. Pharmacogenetics of cytochrome P450 and its applications in drug therapy: the pastpresen and future  Trends Pharmacol Sci. 2004; Apr;25(4):193-200